Dr. Sebastian Peters
Als sich Heinrich Hoffmann im Januar 1947 vor der Münchner Spruchkammer verantworten musste, versuchte er, sich mit einer Art Grundsatzdebatte über Fotografie zu verteidigen. Ein Fotograf, so der einstige „Reichsbildberichterstatter“ und NSDAP-Mitglied Nr. 59, bilde immer nur die Realität ab und habe keinen Einfluss auf das, was vor der Linse passiere. Er sei nur ein pflichtbewusster, aber neutraler Chronist seiner Epoche gewesen. Für das, was er auf seinen Fotos festgehalten habe, könne man ihn dementsprechend kaum verantwortlich machen. Sein Verteidiger spitzte das Argument später sogar noch weiter zu und erklärte, man könne Hoffmann kaum vorwerfen, dass sich Hitler-Fotos seinerzeit besser verkauft hätten als „Gänseblümchenbilder“.
Die krude Argumentation verfing im Entnazifizierungsverfahren jedoch nicht, im Gegenteil. Der Vorsitzende Richter bescheinigte Hoffmann, das NS-Regime durch seine Fotopropaganda außerordentlich unterstützt zu haben, stellte ihn sogar auf eine Stufe mit Joseph Goebbels. Der Fotograf wurde in erster Instanz als „Hauptschuldiger“ verurteilt und sollte sein gesamtes Vermögen und das Wahlrecht verlieren sowie für zehn Jahre in ein Arbeitslager eingewiesen werden.
So eindeutig das Urteil der Spruchkammer war, Hoffmanns Bedeutung für die NS-Propaganda wurde darin nur grob umrissen. Ziel des Verfahrens war es gewesen, seine Bereicherung an der nationalsozialistischen Herrschaft nachzuweisen, nicht jedoch die Details seines Wirkens. Dabei war er wesentlich mehr als Hitlers Leibfotograf gewesen: Hoffmann war der wohl bedeutendste Bildpropaganda-Unternehmer des „Dritten Reichs“; die von ihm kreierten Bildwelten erreichten Millionen Menschen. Sein Wirken ermöglicht daher eine wichtige Perspektive auf die NS-Propaganda, den Führerkult und die Macht der Bilder.
Ein früh Überzeugter und
engagierter Fotograf
Heinrich Hoffmann trat bereits im April 1920 der NSDAP bei. Schon bald gehörte er zu Hitlers Vertrauten. Der 1885 geborene Fotograf hatte sich in den zwei Jahrzehnten zuvor als Porträt- und Pressefotograf in München etabliert. Politisch trat er jedoch erst mit der Niederschlagung der Münchner Räterevolution in Erscheinung, als er zu diesem Anlass einen reaktionär-antisemitischen Bildband produzierte. Er brachte also bereits Erfahrung im Umgang mit Bildmedien in die Partei, was sich in den folgenden Jahren auszahlen sollte.
Hoffmann und Hitler experimentierten in den 1920er Jahren nicht nur bei zahlreichen Porträtsitzungen, um ein ideales Bild des Parteiführers zu erschaffen. Sie wussten auch den damaligen Aufstieg der Illustriertenpresse zu nutzen, um die Bilder zigfach zu verbreiten. Hoffmann beteiligte sich an der Gründung des „Illustrierten Beobachters“ und druckte seine Hitler-Postkarten bald in Serie.





