Wenn er auftauchte, wussten viele, dass große Ereignisse anstanden: Karl Henry von Wiegand sei ein Mann mit einem „fast unheimlichen Gespür für politische Entwicklungen“, notierte die Journalistin Bella Fromm am 8. Dezember 1932 in ihr Tagebuch. An dem Tag habe ihr Wiegand versichert, es werde nicht mehr lange dauern, bis die Nationalsozialisten an die Regierung gelangten. Er „hat immer mit einem nationalsozialistischen Staatsstreich gerechnet. Er betrachtet Hitler als den Mann, der es ernst meint, und zwar schon seit 1921, als Wiegand ihn das erste Mal interviewte“.
Bella Fromm unterrichtete auch den amtierenden Reichskanzler Kurt von Schleicher über Wiegands Vorhersage eines drohenden Umsturzes. Der gab sich selbstbewusst, er werde diese Bedrohung abzuwehren wissen, und verlachte sie mit der Bemerkung: „Ihr Journalisten seid doch alle gleich. Ihr verdient euer Brot mit professionellem Pessimismus.“ Zwei Monate später waren die Nationalsozialisten an der Macht, und 18 Monate später war Kurt von Schleicher tot. Seine Ermordung war eines der wichtigsten Ziele der Nationalsozialisten während des sogenannten Röhm-Putsches im Juni 1934.





