Der Angriff des Molosserkönigs Pyrrhos von Epirus (um 319/18–272 v. Chr.) auf Rom spielt in der römischen Überlieferung der Antike eine sehr große Rolle. An der Schwelle von legendärer Vergangenheit zu gut dokumentierter Geschichte der eigenen Vorfahren sahen die Römer späterer Tage in ihm eine epische Bewährungsprobe für ihr im Entstehen begriffenes Reich. Ein zweiter Alexander habe sich angeschickt, ein gewaltiges Reich im westlichen Mittelmeerraum zu gründen, und Rom habe ihn aufgehalten – um die eigenen Ansprüche zu verteidigen und schließlich selbst die Welt zu erobern.
Der Kampf gegen Pyrrhos war jedoch beschwerlich; die in der Moderne sprichwörtlich gewordenen „Pyrrhussiege“ setzten der römischen Moral zu, und so mochten einige der Entscheidungsträger versucht gewesen sein, das Friedensangebot des Königs zu akzeptieren und ihm den Süden Italiens als Einflussgebiet zu überlassen. Der Überlieferung zufolge brachten sie im Senat ihre Argumente vor, als sich ein altgedienter Staatsmann erhob: Appius Claudius Caecus (um 350–nach 280 v. Chr.). Gebrechlich und erblindet musste er in den Saal getragen werden, um an den Sitzungen teilnehmen zu können; aber er war noch immer einer der angesehensten Senatoren der Stadt.





