Im Kalten Krieg spielte der See eine historisch wichtige Rolle: 1956 gelangten zehntausende Ungarnflüchtlinge über die »Brücke von Andau« in den Westen. In den 1950er Jahren wurde der See auch zum idealen Ausflugsziel – dank der damals einsetzenden Motorisierung. Bald fanden auch Wiener Künstler und Intellektuelle, die vom Licht und von der Archaik einer Gegend mit alten Winzergassen fasziniert waren, rund um den Neusiedler See ihre »alternative« Landschaft. In jüngster Zeit präsentiert sich die Region als »Genußlandschaft«, aus Doppler-Weinbauern wurden Edelwinzer.
50 Kilometer von Wien entfernt liegt der westlichste Steppensee Europas, mit dichtem Schilfgürtel und einzigartiger Tierwelt. Eine Gegend, die einst als »fatale, sumpfige Niederung« bezeichnet wurde, gilt heute als »Naturparadies«. Sie ist jedoch Ergebnis eines radikalen Landschaftswandels. Die extremen Wasserschwankungen führten 1865 zur völligen Austrocknung des Sees. Sogar eine dauerhafte Trockenlegung wurde erwogen, seit rund 50 Jahren ist sein Wasserstand künstlich reguliert.





