Im „Vierteljahresheft für Zeitgeschichte“ (Heft 3/2012) erläutert Schulze seine Sichtweise genauer. So habe Pius der XI. Hitler bereits im März 1933 als einzigen Staatsmann gelobt, der etwas gegen den Kommunismus unternehme. Dabei sei dies nicht lediglich eine spontane Sympathiebekundung des Papstes gewesen. Vielmehr habe Hitler Unterstützung gegen die „bolschewistische Bedrohung“ gesucht. Dies gehe, so Schulze, vor allem aus diplomatischen Quellen der damaligen französischen und polnischen Botschafter am Heiligen Stuhl hervor, die in der bisherigen Forschung wenig Beachtung fanden. Anhand der Berichte lasse sich rekonstruieren, dass Pius XI. vor allem unter dem Eindruck des Reichstagsbrands, den Hitler Kommunisten anlastete, zu einem positiveren Denken über Hitler gelangt sei.
Die Angst vor dem Bolschewismus, den die Kirche für die „öffentliche Unmoral“ verantwortlich machte, veranlasste den Papst offensichtlich immer wieder zu außen- und innenpolitischen Fehleinschätzungen. So hegte man im Vatikan beispielsweise Hoffnungen, dass Deutschland durch Zugeständnisse und Vertragswerke von Aggressionen abgehalten werden könne. Man hielt Hitler für „moderat“ und war beeindruckt von den Versprechungen der Nazis, in Deutschland „gegen Unmoral, Nudismus und Pornografie“ zu kämpfen, heißt es in einem der vatikanischen Botschaftsberichte.
Erst ab Mai 1933 erfährt man aus den Quellen von „nachdenklicheren Tönen“ im Vatikan. Von diesem Zeitpunkt an sind hauptsächlich Quellen überliefert, die eine Ablehnung des Nationalsozialismus durch die vatikanischen Kirchenoberen vermuten lassen. Kirchenvertreter hätten diese Gegnerschaft zum NS-Regime als durchgängiges Hauptmotiv vatikanischen Handelns während der NS-Zeit dargestellt, meint Schulze. Die Hinwendung des Papstes zu Hitler aus antikommunistischen Motiven in den frühen Jahren des Nationalsozialismus sei deswegen lange unbeachtet geblieben.





