Die Lebensdaten König Johanns von Sachsen. umschließen (1801–1873) die wesentlichen Ereignisse deutscher Geschichte im 19. Jahrhundert – vom Zerfall des Heiligen Römischen Reiches bis zur Herausbildung des Deutschen Kaiserreichs. In diesem Zeitraum entwickelte sich in Sachsen aus noch frühneuzeitlich geprägten Strukturen auf politischen und verfassungsrechtlichen Gebieten eine konstitutionelle Monarchie. Als sechstes Kind des Prinzen Maximilian, Herzog zu Sachsen und der Caroline Maria Theresia Prinzessin von Parma, erlebte Prinz Johann in seiner Kindheit und Jugend die großen politischen Ereignisse seiner Zeit und ihre Auswirkungen auf das gesamte gesellschaftliche Leben in Sachsen und Deutschland. Besonders prägend erwies sich dabei die radikale Verkleinerung Sachsens nach dem Wiener Kongreß. Als drittgeborener Prinz wurde Johann auf eine militärische Laufbahn vorbereitet, die jedoch seinem Wesen nicht entsprach. Auf der Suche nach einer Lebensaufgabe richtete er seine Aufmerksamkeit auf die Staats- und Rechtswissenschaften, auf Fragen der Staatsverwaltung und Geschichte. Er wurde zum Juristen aus Passion. 1822 heiratete er die Prinzessin Amalie Auguste von Bayern. Aus dieser glücklichen Verbindung gingen drei Söhne und sechs Töchter hervor. Damit sicherte Johann von Sachsen die Erbfolge im albertinischen Sachsen, da das Ausbleiben von Söhnen zuvor den Fortbestand der Dynastie in Gefahr gebracht hatte. Auf dem Thron folgten ihm denn auch seine Kinder Albert und Georg sowie sein Enkel Friedrich August III., der 1918 als letzter sächsischer König abdankte. Johann von Sachsen nahm unter den Monarchen seiner Zeit eine besondere Stellung ein. Seine zurückhaltende Art war seiner Popularität hinderlich, die persönliche Ausstrahlung übertraf dennoch beträchtlich die Wirkung des auf Tradition beruhenden Amtes. Die Nachwelt nannte ihn den “Weisen” oder den “Wahrhaftigen”. Bereits zu Lebzeiten ehrte man den gelehrten und geistreichen König aufgrund seines Fachwissens als “Jurist unter den Königen und als König unter den Juristen”. Preußens König Friedrich Wilhelm der IV., mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, bezeichnete ihn als “Professor auf dem Thron”. Selbst von politischen Gegnern wurde seine Persönlichkeit, seine Treue und Verläßlichkeit sowie das beachtliche Maß seiner vielseitigen Bildung geschätzt. So würdigte der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck den sächsischen König als “Nestor der deutschen Fürsten”. Seine Mußestunden widmete der Prinz und spätere König der mittelalterlichen Literatur und Philosophie. Er beherrschte sieben Sprachen und dichtete unter anderem. in klassischem Griechisch. Seit seiner ersten Italienreise 1822 beschäftigte er sich mit der “Göttlichen Komödie” von Dante Alighieri, die er unter dem Pseudonym Philalethes (Wahrheitsfreund) ins Deutsche übersetzte und veröffentlichte. Wie kein anderer Wettiner wurde Johann von Sachsen zum Repräsentanten sächsischer Bildung und Kultur. Zahlreiche Vereine und wissenschaftliche Gesellschaften in und außerhalb von Sachsen würdigten ihn durch Ehrenmitgliedschaften. Seit 1825 stand er dem “Sächsischen Verein für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Altertümer” vor und gab der Geschichtsforschung und der Denkmalpflege in Sachsen aus seinem persönlichen Engagement heraus Impulse, die von weitreichender Wirkung waren. Johann von Sachsen hatte maßgeblichen Anteil an der Ausarbeitung der konstitutionell-liberalen Verfassung von 1830/31. Als Vorsitzender des neugebildeten Staatsrates und Mitglied der Ersten Kammer des sächsischen Landtages verstand er es trotz konservativer Grundhaltung, sich den bürgerlich-liberalen Veränderungen zu öffnen und damit die Entwicklung vom Ständestaat zur konstitutionellen Monarchie mitzutragen. Damit begann in Sachsen der Übergang zur bürgerlich-parlamentarischen Demokratie.





