Erhard Eppler gehört vielleicht zu den interessantesten Figuren der deutschen Sozialdemokratie nach 1945. Intellektuell forderte der „Querdenker“ die SPD stets heraus – und wurde zu einem ihrer umstrittenen Köpfe. Unter den Bundeskanzlern Kurt Georg Kissinger und Willy Brandt war er Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. In einem nahezu machtlosen Ministerium etablierte er ein neues entwicklungspolitisches Denken, das auf eine Zusammenarbeit „auf Augenhöhe“, auf Eigeninitiative der geförderten Länder und Nachhaltigkeit setzte. Die vielen Reisen durch Asien und Afrika öffneten dem Politiker die Augen für die Ausbeutung der Erde und die damit verbundenen ökologischen Probleme. Seine Konsequenz: Wachstum kann nicht grenzenlos sein. In der wachstumsgläubigen Gesellschaft der 60er und frühen 70er Jahren stieß Eppler jedoch auf Ablehnung. 1974 trat er von seinem Amt zurück. Er fühlte sich vom neuen Bundeskanzler Helmut Schmidt unverstanden, der zudem das Entwicklungshilfebudget massiv kürzen wollte. Einfluss anderer Art gewann Eppler, als er in den 80er Jahren die Leitung der Grundwertekommission der SPD übernahm. Eppler selbst charakterisierte diese Zeit als „Politik ohne Amt“, deren einziges Werkzeug die Überzeugungskraft sei.
Die Autorin Renate Faerber-Husemann, ehemalige Korrespondentin der Frankfurter Rundschau, präsentiert in gut lesbarer Form das Leben Epplers und koppelt dieses an die Geschichte der Bundesrepublik. Begrüßenswert ist, dass Faerber-Husemann jedem Kapitel ein Interview mit dem heute 85Jährigen voranstellt, was die chronologisch erzählte Biografie um eine persönliche, rückblickende Perspektive bereichert. Dabei kommen auch private Aspekte zu Familie und Alter sowie aktuelle politische Fragen zur Sprache. Dennoch: Die Sympathie, die die Autorin Eppler offensichtlich entgegen bringt, ist zwar verständlich, doch zuweilen lässt sie es an der nötigen Distanz vermissen. Faerber-Husemann vermischt die historische Darstellung mit der persönlichen Perspektive Epplers – obwohl die abgegrenzten Interviews eine klare Trennung von sachlich erzählter Biografie und subjektiver Meinung suggerieren.
Rezension: Felix Nothdurft





