Durch Schenkung Kaiser Wilhelms I. erhielt der erste deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck den Sachsenwald. In Friedrichsruh verbrachte er einen großen Teil seiner Amtszeit bis 1890, die dem Ort zumindest zeitweise den Ruf einer „zweiten Reichshauptstadt“ eintrug. Unmittelbar nach seiner Entlassung 1890 hatte Otto von Bismarck vor dem Hintergrund der Niederschrift seiner Erinnerungen mit der Ordnung seiner am Hauptwohnsitz verwahrten Briefe, Aufzeichnungen und sonstigen Dokumente begonnen. Nach 1945 wurden die Bestände um die aus den Kriegwirren geretteten Bestände aus Schönhausen und – lediglich in Splittern – Varzin ergänzt.
Seit ihrer Gründung 1996 betreut und bewahrt die bundeseigene Otto-von-Bismarck-Stiftung das historische Fürstlich von Bismarck’sche Familienarchiv. Die Pflege und Auswertung des schriftlichen Nachlasses von Otto von Bismarck und seiner Nachfahren gehört zu ihren wichtigsten Aufgaben. Heute umfasst das Archiv grob geschätzte 30.000 Dokumente und Objekte und ergänzt die bedeutenden Bestände zur Politik Otto von Bismarcks im Bundesarchiv (Standort Berlin), dem Archiv des Auswärtigen Amtes sowie dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin-Dahlem. Gleichzeitig wird die Geschichte der Familie von Bismarck-Schönhausen bis in die jüngste Vergangenheit dokumentiert.
Damit zählt das Bismarck-Archiv trotz seines vergleichsweise kleinen Bestandes zu den bedeutenden Archiven des Bundeslandes Schleswig-Holstein. Anlass genug für das Landesarchiv Schleswig-Holstein in Schleswig, im Rahmen einer Kabinettausstellung einige wichtige, kuriose oder auch für die Landesgeschichte interessante Stücke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sie bieten einen vertiefenden Einblick in das Leben und Wirken des gleichermaßen bedeutendsten wie umstrittensten deutschen Staatsmanns des 19. Jahrhunderts, dessen zentrale Arbeitsphase eng mit der schleswig-holsteinischen Landesgeschichte verknüpft ist.
Die Ausstellung wird begleitet von einer Vortragsreihe.





