Mit kriminalistischer Akribie spürt Oberste, auch mittelalterliche Bildzeugnisse mit einbeziehend, den Wurzeln der Nibelungensage, ihren Spuren in der Geschichte und den historischen Vorbildern ihrer Motive nach. Gibt es Bezüge zwischen Siegfried und dem Cherusker Arminius, zwischen Hagens Tronje und Troja? Hat der Königinnenstreit einen historischen Ursprung? Oberste stellt neue und überra-schende, teils gewagte Thesen auf und spannt einen weiten, manchmal zu weiten Bogen durch Raum und Zeit.
Dabei beeinträchtigt die Überfülle an interessanten, aber nicht unbedingt notwendigen Details den Erzählfluss und die innere Geschlossenheit des Buchs. Lebendig, wenn auch manchmal mit zu saloppen Formulierungen, führt der Autor die Leser in eine Welt voller Helden, verfluchter Schätze, höfischer Intrigen und tragischer Kämpfe und berücksichtigt auch die Rezeption – vom Nibelungenlied bis zum „Herrn der Ringe“.
Rezension: Enzinger, Eva





