Thomas Müntzer: Der Scheinriese - wissenschaft.de | DAMALS
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Der Scheinriese
In Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ (1960) kommt ein Herr Tur Tur vor. Er wird allgemein gefürchtet. Denn je weiter man sich von ihm entfernt, desto größer und furchteinflößender erscheint er. Herr Tur Tur ist ein Scheinriese. Überhaupt ist er ganz anders, als er erscheint, er sehnt sich nach…
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Unter den Reformatoren des 16. Jahrhunderts ist auch Thomas Müntzer so etwas wie ein Scheinriese geworden. Je weiter man sich historisch von ihm entfernte, desto größer wurde er.
Gewiss – Müntzer gehört zu den schillerndsten Gestalten des Reformationsjahrhunderts. Er wähnte sich am Ende der Zeiten und bejahte den Einsatz von Waffengewalt für den Glaubenskampf. Er vertraute auf aktuelle prophetische Offenbarungen jenseits der Bibel. Den einflussreichsten Theologen und Publizisten seiner Zeit, seinen ehemaligen Wittenberger Lehrer Martin Luther, machte er sich zum erbittertsten Feind. Ohne Luthers literarisch explodierenden Hass auf ihn wäre Müntzer längst vergessen.
Für all jene, die Luthers an der Politik der Territorialfürsten orientierten konservativen Reformationskurs kritisch sahen, wurde Müntzer, der auf der Seite der Bauern kämpfende Revolutionär, zur lichtvollen Gegenfigur.
Niemand tat mehr für die Heroisierung Müntzers als der große sozialistische Theoretiker und enge Karl-Marx-Vertraute Friedrich Engels (siehe Artikel Seite 42). Das Müntzerbild, das der Wuppertaler Fabrikantensohn in seiner Studie über den deutschen Bauernkrieg (1850) zeichnete, sollte rund 100 Jahre später prägend für das Geschichtsbild der DDR sein.
Müntzers bis dahin behutsam in Dresden archivierter literarischer Nachlass wurde dem Genossen Josef Stalin 1949 zum 70. Geburtstag geschenkt. Deshalb liegen die wichtigsten Briefe Müntzers bis heute in Moskau.
Die Zeitgenossen sehen keinen Anlass, ein Porträt Müntzers anzufertigen
Es ist kein zeitgenössisches Porträt Thomas Müntzers bekannt – die älteste Visualisierung entstand 1527, zwei Jahre nach seinem Tod. Sie orientiert sich an den stereotypen Darstellungen von Propheten. Das Fehlen von Bildern ist durchaus ein Hinweis darauf, dass Müntzer im Vergleich zu anderen Reformatoren, die umfangreich porträtiert wurden, zu Lebzeiten nur eine eingeschränkte Bedeutung besaß.
Bis zu seiner spektakulären Hinrichtung vor den Toren der thüringischen Reichsstadt Mühlhausen am 27. Mai 1525 war Müntzer kaum über den mitteldeutschen Raum hinaus bekannt geworden. Thomas Müntzers Geburtsjahr ist unbekannt. In der DDR favorisierte man 1489. So konnte man 1989, im 40. Jubeljahr der Staatsgründung, auch den 500. Geburtstag des Reformators feiern.
Das gewaltigste Memorialobjekt, das jemals für das Andenken eines Reformators errichtet wurde, ist das mit einem 1722 Quadratmeter großen Ölgemälde ausgestattete Bauernkriegspanorama Werner Tübkes im thüringischen Bad Frankenhausen. Es konnte pünktlich am 14. September 1989 eröffnet werden. Der gigantische Betonkubus oberhalb des Schlachtfeldes von Frankenhausen – heute als „Sixtina des Nordens“ beworben und rege besucht – liegt in konfrontativer Sichtachse zum geschmacksverletzenden wilhelminischen Kyffhäuser-Denkmal für Kaiser Barbarossa – ein weiterer Scheinriese der Geschichte.
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Das erste gesicherte Datum in Müntzers Biographie ist seine Immatrikulation an der Universität Leipzig im Herbst 1506. Da er als „Thomas Munczer aus Quedilburck [Quedlinburg]“ eingetragen wurde, aber in Stolberg im Harz geboren und aufgewachsen war, spricht vieles dafür, dass er in der alten ottonischen Metropole seine letzte Schulzeit verbracht hatte.
1512 immatrikulierte er sich im brandenburgischen Frankfurt/Oder. Dazwischen wird er eine gewisse Zeit als Hilfslehrer in Aschersleben und Halle tätig gewesen sein. Vermutlich brauchte er Geld, um weiter zu studieren.
Wann und wo er seine akademischen Grade (Baccalaureus artium, Magister artium, Baccalaureus biblicus) erwarb, ist unbekannt. Unstrittig ist, dass er mit humanistischen Bildungsimpulsen vertraut war. Neben der Schultheologie, die er in der Tradition des Thomismus (nach Thomas von Aquin, 1225 –1274) kennenlernte, erwarb Müntzer Kenntnisse in der antiken Philosophie und Rhetorik sowie den Schriften der Kirchenväter. Wahrscheinlich schwebte ihm eine Karriere als gelehrter Weltgeistlicher vor, der sich durch verschiedene Pfründen finanzierte und seinen Studien leben konnte.
Um 1513 ist er in der Diözese Halberstadt zum Priester geweiht worden. Im Mai 1514 übertrug man ihm eine Altarpfründe in Braunschweig. Bei der Wahrnehmung der entsprechenden Aufgaben ließ er sich vertreten.
Zahlreiche Stationen als Priester
Sodann übernahm Müntzer eine Pfründe am Kanonissenstift Frose bei Aschersleben (1515/16), was seine liturgischen Kenntnisse förderte. 1520 wurde er Beichtvater im Zisterzienserinnenkloster Beudnitz bei Weißenfels. Zwischen 1517 und 1519 hielt er sich immer wieder in Wittenberg auf. Er nahm an Vorlesungen teil und gehörte wohl zu den studentischen Begleitern bei der spektakulären Leipziger Disputation im Sommer 1519. Die Wittenberger Professoren Karlstadt und Luther verteidigten dort theologische Grundeinsichten ihrer „Schule“ gegen den papsttreuen Ingolstädter Johannes Eck.
Durch das Wittenberger Netzwerk wurde Müntzer vertretungsweise als Prediger nach Jüterbog (1519) und Zwickau (1520) vermittelt. Aufgrund der späteren Korrespondenz ist offenkundig, dass neben Luther auch Karlstadt sein Lehrer war. In Müntzers ursprünglicher Nähe gründet die spätere Schärfe seines Zerwürfnisses mit Luther.
In Jüterbog trieb Müntzer, wenig konfliktscheu, Auseinandersetzungen voran, die die dortigen Franziskaner und die bestehende kirchliche Ordnung in Frage stellten. Er polemisierte im Geist der Wittenberger gegen die scholastische Theologie, forderte die Orientierung an der Bibel, kritisierte die kirchliche Hierarchie sowie die päpstliche Praxis der Heiligsprechung und stellte das Konzil über jede römische Amtsgewalt.
In Zwickau baute er dann intensive Verbindungen zu geistgetriebenen Laien um den charismatischen Tuchmacher Nikolaus Storch auf. Als der reguläre Inhaber des Pfarramts, der Humanist Johannes Sylvius Egranus, zurückkehrte und Müntzer von der Marien- in die Katharinengemeinde wechselte, verstärkten sich die Spannungen zwischen den unruhigen Neuerern in seinem Umfeld und den eher konservativen oder moderaten Kräften. Müntzer geriet in den Verdacht, ein Aufrührer zu sein. Im Frühjahr 1521 verwies ihn der Zwickauer Rat der Stadt.
Müntzers Weg führte nun nach Prag. Aus dem ältesten zusammenhängenden Text, den wir von ihm besitzen, einem früher als „Prager Manifest“, heute nüchterner als „Prager Sendbrief“ bezeichneten Dokument, lassen sich die Konturen einer brisanten politischen Theologie erheben. Er wandte sich an die Böhmen, da sie sich seit der Zeit des Jan Hus (um 1370–1415) von der Kirche des römischen Antichristen abgesondert und die apostolische Kirche des Anfangs restituiert hätten.
Dem „Volk“ schrieb Müntzer eine zentrale Rolle zu: „Aber am [gemeinen] Volk zweiffel ich nicht. Ach du rechte, arme erbermelich heuffelein, wie dorstig bistu noch dem wort Gots!“ Scharf trennte er zwischen den Herrschenden („die herren, die nor fressen unde sauffen unde pastalen [schmausen]“) und ihren Unterstützern, den Klerikern und Schriftgelehrten, einerseits, dem gemeinen Mann andererseits.
Vormarsch der Türken als Hinweis auf die nahe Apokalypse
Das Dokument war von der Erwartung einer nahen Apokalypse geprägt. Vermutlich war diese durch den Vormarsch der Türken ausgelöst worden, denn im August 1521 hatten die Truppen Süleymans des Prächtigen Belgrad eingenommen. Damit startete eine erfolgreiche osmanische Offensive gen Westen, die Europa jahrzehntelang in Atem hielt.
Müntzer erwartete, dass die Feinde der auserwählten, heiligen Gemeinde Christi, als deren Prophet er sich sah, in naher Zukunft unter den Druck der Türken geraten würden. Dann werde die sichtbare Herrschaft des Antichristen beginnen. Doch schon nach kurzer Zeit werde Christus beim Jüngsten Gericht den Auserwählten diese Welt übergeben, um ein ewiges Reich zu errichten.
Die Konturen von Müntzers theologisch-politischer Vision – das apokalyptische Ende der bekannten Welt der Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit und der Aufstieg einer neuen Welt der Gerechtigkeit und des Friedens unter der Führung der Auserwählten Gottes – waren seit dem Herbst 1521 ziemlich deutlich erkennbar, doch der konkrete Weg dorthin war es nicht.
Erst als sich die sächsischen Herzöge Müntzers Kalkül verweigerten (im Zuge der Allstedter „Fürstenpredigt“ am 13. Juli 1524), setzte er ganz auf das Volk, den gemeinen Mann. Von seiner Denkungsart her aber war Müntzer bereits im Herbst 1521, dem Abfassungszeitpunkt des Prager Sendbriefs, ein glühender Revolutionär.
Müntzers weitere berufliche Existenz war unstet und flüchtig. Nach der Rückkehr aus Prag tauchte er um die Jahreswende 1521/22 herum in Wittenberg auf – wohl in Verbindung mit einer kleinen Schar Erweckter um Storch aus Zwickau, die man ein halbes Jahr nach Müntzer ebenfalls der Stadt verwiesen hatte. Doch lange blieben sie nicht beieinander.
Müntzers Verhältnis zu den Wittenberger Reformatoren entwickelte sich deutlich negativ; sie waren ihm zu zögerlich, hingen mit ihren Priesterehen zu sehr am Fleisch, verweigerten die seines Erachtens gebotenen klaren Entscheidungen hinsichtlich der Gottesdienstreform.
Mit Karlstadt teilte er immerhin die Begeisterung für die Mystik, die er freilich radikalisierte. Aus seiner Sicht hänge der frei wehende Gottesgeist nicht am Wort der Heiligen Schrift; er erfasse auch einfache Gläubige und könne durch sie sprechen. Die Erkenntnis des wahren Gottes sei jedermann, auch Heiden, möglich.
Gewalttaten im Namen des Glaubens, im Kampf gegen die Feinde der Auserwählten, waren kein Tabu für Müntzer. Karlstadt und dessen Orlamünder Gemeinde verweigerten sich dem. Müntzers Absage an einen christlichen Exklusivismus stand so ziemlich quer zu allem, was in seiner Zeit üblich war.
Im Lauf des Jahres 1522 kam Müntzer zeitweilig als Kaplan in Glauchau bei Halle unter; seit Ostern 1523 wirkte er dann als ordentlicher Pfarrer im kursächsischen Allstedt. Es sollte die produktivste Zeit seines kurzen Lebens werden. Als er die ehemalige Nonne Ottilie von Gersen heiratete, schien er sich sogar dem neuen Stil der Wittenberger anzupassen.
Luther brandmarkt seinen Widersacher als Aufrührer
Müntzer schuf, als erster reformatorischer Theologe überhaupt, eine deutschsprachige Liturgie für das gesamte Kirchenjahr. Mit Unterstützung des Allstedter Rats brachte er sie sogar in den Druck. Das Alphatier in Wittenberg schäumte: Nun, da Müntzer über eine Druckpresse verfügte, sah Luther in ihm eine unerträgliche und gefährliche Konkurrenz, die es zu vernichten galt.
Brennende Kapellen und Übergriffe auf Einrichtungen der alten Kirche bezeugten den harten Reformationskurs, dem man im Allstedt Müntzers folgte. Sein Appell an die sächsischen Herzöge, sich dem finalen Kampf der Auserwählten gegen die Gottlosen anzuschließen, provozierte das Gegenteil. Luther hatte seine Herren gewarnt und Müntzer öffentlich als Aufrührer gebrandmarkt. Im August 1524 musste er fliehen.
Müntzer kam in der thüringischen Reichsstadt Mühlhausen unter. Dort schloss er sich eng mit Heinrich Pfeiffer, einem radikal gesinnten ehemaligen Zisterziensermönch, zusammen. Doch nach kurzer Zeit wurde ihre Lage unsicher, denn die Mehrheit im Rat der Reichstadt kehrte sich gegen die aufrührerischen Pfarrer. Auch die umgebenden Herren Sachsens und Mansfelds hatten sie argwöhnisch in den Fokus genommen. Luther warnte den Mühlhäuser Rat öffentlich vor dem „revolutionären Teufel“ aus Allstedt.
Müntzers und Pfeiffers Flucht führte sie in den Süden; der Hauptzweck war, in der fränkischen Druckmetropole Nürnberg Schriften gegen Luther zu veröffentlichen. Pfeiffer kehrte bald in die Heimat zurück, Müntzer zog weiter in den Süden: nach Basel, in den Hegau und den Klettgau.
Er nahm an verschiedenen Orten Kontakte zu radikalen Zellen des entstehenden Täufertums auf und predigte vor Bauern, geriet also in die Anfänge jener umfassenden Aufstandsbewegung hinein, die im Frühjahr 1525 in weiten Teilen Süd- und Mitteldeutschlands zum Flächenbrand werden sollte. Von einem nennenswerten Einfluss auf diese Entwicklungen kann freilich – gegenläufig zu dem Bild, das Luther später von Müntzer zeichnete – keine Rede sein.
Ende Februar 1525 kehrte Thomas Müntzer nach Mühlhausen zurück und wurde nun Pfarrer an der Marienkirche. Unter dem Einfluss von Heinrich Pfeiffer hatten sich die politischen Verhältnisse verändert: Ein ewiger Rat, der die radikalreformatorischen Vorstellungen der revolutionären Pfarrer teilte, trat seine Herrschaft an. Die Nachrichten von den Aufständen im Süden beförderten die Militarisierung in der Stadt.
Als es Ende April zu den ersten Erhebungen in Thüringen kam, galt die Reichsstadt als Partner, Unterstützer und Verbündeter der Aufständischen. Müntzer regte die Herstellung eines Symbols an; die Fahne zeigte einen Regenbogen auf weißem Grund. Sie erinnerte an das ewige Wort Gottes („Verbum dei manet in aeternum“ – „Gottes Wort bleibt in Ewigkeit“, Jesaja 40, 8) und aktualisierte den ewigen Bund, der jetzt in Mühlhausen aufgerichtet sei („dis ist das zeychen des ewigen bund gotes, alle, die bey dem bünde stehen wollen, sollen darundertreten“).
Nun zogen auch Mühlhäuser Kontingente im Eichsfeld umher und beteiligten sich an Übergriffen auf klösterlichen oder adligen Besitz. Müntzer korrespondierte unablässig mit möglichen Unterstützern; er warb für die Teilnahme an der apokalyptischen Endschlacht auf Seiten der Auserwählten.
Am 10. oder 11. Mai zog eine Truppe von rund 300 Mühlhäusern unter seiner Führung aus. Der Gegner der Aufständischen bestand in einer Fürstenkoalition beider Sachsen, Hessens, Braunschweig-Lüneburgs, Mainz’ und Brandenburgs.
Entscheidende Schlacht bei Frankenhausen
Vor der Schlacht bei Frankenhausen soll Müntzer in einer aufpeitschenden Predigt bei Erscheinen eines regenbogenartigen Lichtkranzes um die Sonne, eines sogenannten Halo-Effektes, Siegeszuversicht aufgrund himmlischen Beistandes vermittelt haben.
Doch die himmlischen Heerscharen traten nicht zugunsten der Bauern hervor: An jenem 15. Mai sollen etwa 6000 von ihnen getötet worden sein. Müntzer wurde auf der Flucht entdeckt, gefangen genommen und sein literarischer Besitz eingezogen. Man deportierte ihn nach Heldrungen und erpresste dort mit Hilfe der Folter ein „Bekenntnis“. Müntzer und Pfeiffer wurden schließlich exekutiert. Ihre aufgespießten Köpfe sollten vor den Toren Mühlhausens für Abschreckung sorgen.
Das erpresste „Bekenntnis“ Müntzers gelangte in den Druck; es war publizistisch erfolgreicher als jeder seiner zu Lebzeiten gedruckten Texte und beförderte das durch Luther etablierte Bild des teuflischen Aufrührers. Fortan war die öffentliche Meinung über ihn von der Vorstellung überlagert, Müntzer sei der große Bauernführer und der eigentliche Initiator des Bauernkriegs gewesen.
Den Anhängern Luthers diente dies dazu, Attacken aus der Papstkirche abzuwehren, laut denen der Wittenberger Meister selbst eine Mitverantwortung für die Katastrophe des Bauernkriegs und die Ermordung Zehntausender Bauern zu tragen habe.
Die Ursachen des Bauernkriegs sind jedoch komplex, und der historische Müntzer spielte in ihm nicht mehr als die Rolle einer Randfigur regionalen Ausmaßes. Indem Luther ihn für den Aufruhr im Ganzen verantwortlich machte, rückte er Müntzer in eine Position, die ihm historisch nicht zusteht.
Der „Teufel aus Allstedt“ entlastete den „Zauberlehrling“ in Wittenberg, der mit seinem Ruf nach der „christlichen Freiheit“ manchen auch übermächtig werdenden Geist gerufen hatte, dessen er nicht Herr wurde.
Luther hatte niemals daran gedacht, die bestehende weltliche Ordnung zu erschüttern, schließlich basierte der Erfolg seiner Reformation auf der Macht der Fürsten.
Der historische Müntzer aber war Apokalyptiker, er erwartete den Niedergang der bestehenden Welt und das Erscheinen eines irdischen Reiches, in dem die Auserwählten herrschen würden. Dem „Volk“ der aufständischen Bauern hatte er diese Rolle zugedacht. Zum Scheinriesen wurde er, weil Luther ihn negativ überhöhte und das 19. Jahrhundert im Bauernkrieg fand, was dieser historisch niemals gewesen ist: ein Meilenstein auf dem Weg zur politischen Freiheit.
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