Im Herbst 9 n. Chr. herrschte in Rom Hochstimmung: Tiberius, dem designierten Nachfolger des Augustus, war es gelungen, nach drei anstrengenden Kriegsjahren den Aufstand der Stämme Pannoniens und Dalmatiens endgültig niederzuschlagen. Mitten in die Euphorie platzte die Nachricht von einer erneuten Empörung. Insgesamt drei Legionen waren in den germanischen Wäldern aufgerieben worden, die Soldaten hatte man niedergemetzelt oder versklavt. Ihr Feldherr, der eng mit dem Kaiserhaus verwandte Quinctilius Varus, gab sich selbst den Tod. In Panik waren möglicherweise alle Positionen rechts des Rheins fluchtartig aufgegeben worden: Wo seit zwei Jahrzehnten Stück für Stück römische Kontrolle gewonnen worden war, lag nur noch ein Scherbenhaufen.
Aus Angst vor Unruhen ließ Augustus überall in Rom Wachen aufziehen. Gallier und Germanen wurden aus der Hauptstadt ausgewiesen, die germanische Leibwache des Herrschers auf eine Insel verbracht. In sämtlichen Pro‧vinzen verlängerte Augustus die Führungskommandos. Schließlich gelobte er Spiele für den höchsten Jupiter, so wie es sich bereits auf dem Höhepunkt des Kimbern-Kriegs mehr als ein Jahrhundert zuvor bewährt hatte. Besonders eingeprägt hat sich das von Sueton überlieferte Bild des Kaisers, der mit langem Haar und ungepflegtem Bart seinen Kopf gegen die Türe rammte und ausrief: „Quinctilius Varus, gib mir die Legionen zurück“. All dieses beschwört in der Überlieferung den Eindruck einer das Römische Reich bedrohenden Katastrophe. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 6/2015.
Prof. Dr. Reinhard Wolters





