Engelbert Kaempfer, Arzt in Diensten der Vereinigten Ostindischen Kompanie und Verfasser eines berühmten Buches über Japan, reiste im Jahr 1691 von Nagasaki an den Hof des Shoguns in Edo, dem heutigen Tokio. Kurz vor dem Ziel sah er einen Berg von einzigartiger Schönheit: so ebenmäßig und so prachtvoll, dass man ihn den schönsten Berg der Welt nennen könne. Sein Name sei: Fusi no Jamma, Fujiyama. In dieser Form blieb er im europäischen Weltbild haften. In Japan wird sie von niemandem gebraucht. Dort heißt der Berg – vornehmer und höflicher – Fuji-san. Er ist der heiligste aller heiligen Berge in Japan.
In der Tat ist der Anblick erhaben. Ein Kegel von 3776 Metern Höhe ragt freistehend aus dem Meer. In Japan wird seine Gestalt mit der eines umgekehrten Fächers verglichen. Sogar dessen Rippen könne man aus der Ferne erkennen. Die kreisrunde Basis hat einen Durchmesser von 40 bis 50 Kilometern, die stumpfe Spitze wird von einem Krater von 3,5 Kilometern Umfang gebildet. Tritt man dem Fuji näher, verliert er ein wenig von seiner Schönheit. Denn es handelt sich um einen Vulkan, bestehend aus Lava, Geröll und Asche. Die Baumgrenze liegt bei 2400 bis 2800 Metern. Jenseits der Wolken, die im Sommer den Gipfel verhüllen und von oben wie ein „Meer aus Baumwolle“ (Lafcadio Hearn) aussehen, wirkt die Landschaft gespenstisch. Wasser gibt es nur wenig.





