Einen grausameren Tod hätte Gustav II. Adolf (reg. 1611– 1632) nicht erleiden können. Zunächst verloren er und seine Beschützer im Nebel und Schießpulverqualm den Kontakt zu den eigenen Truppen. Danach überfielen ihn kaiserliche Kürassiere; eine Musketenkugel zersplitterte seinen linken Ellbogen, er verlor viel Blut. Einer der Soldaten schoss dem König in den Rücken, die Kugel durchdrang seine Lunge. Er stürzte aus dem Sattel, blieb aber mit einem Fuß im Steigbügel hängen und wurde von seinem fliehenden Pferd mitgeschleift. Die feindlichen Soldaten stürzten sich auf ihn, ohne zu wissen, wer vor ihnen auf dem Boden lag. Sie stachen mit Bajonetten auf den König ein, ehe ihn eine Kugel in den Kopf von dem Martyrium erlöste.
Die Schlacht bei Lützen am 16. November 1632 war eine Schlacht ohne Sieger. An den gewaltsamen Tod des Schwedenkönigs und die Tausenden Gefallenen erinnerte zunächst nur symbolhaft ein Granitfindling, später „Schwedenstein“ genannt, der neben der Leiche des Königs gelegen hatte. Gustav II. Adolf war in den verbündeten Ländern Brandenburg und Sachsen hoch angesehen, er galt als Retter des deutschen Protestantismus. Nach dem Wiener Kongress 1815, der die Machtverhältnisse in Europa neu ordnete, fiel Lützen an das Königreich Preußen.
Zum 200. Todestag von Gustav II. Adolf 1832 hatte der Lützener Magistrat beschlossen, eine Kapelle über dem Schwedenstein zu errichten. Der preußische Kronprinz, der spätere König Friedrich Wilhelm IV. (reg. 1840– 1861), jedoch machte sich das Vorhaben zu eigen und beauftragte seinen Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), einen Entwurf für eine Gedenkstätte einzureichen.
Statt einer Kapelle, die erst 1907 gebaut werden sollte, entschied sich Schinkel für ein offenes Denkmal, wie es die Besucher heute vorfinden (siehe Foto). Vier Pfeiler stützen den gusseisernen Baldachin mit aufgesetzten Fialen; das Kreuzrippengewölbe trägt ein Tabernakel, und am Boden umschließt den Schwedenstein ein u-förmiger, dreistufiger Sandsteinsockel. Neben der Gedenkstätte befindet sich in einem modernen Neubau auch ein Museum (siehe Info). Der linke Schriftsteller Walter Mehring (1896–1981) nannte die Gedenkstätte einmal sarkastisch „ein Symbol der Gustav-Adolf-Manie“ im protestantischen deutschen Bürgertum des 19. Jahrhunderts.
Für den Unterhalt sorgte zunächst die 1931 von dem Göteborger Pastor Per Pehrsson gegründete Lützen-Stiftung. Später beteiligte sich sogar die DDR am Unterhalt, weil ihr die Beziehungen zum neutralen Schweden wichtig waren. Seit Mitte der 1990er Jahre kommen die Lützen-Stiftung und die Stadt Lützen gemeinsam für den Unterhalt auf.
Autor: Rudolf Gruber





