Kein anderer Präsident der amerikanischen Geschichte wurde so über die Maßen verehrt wie George Washington. Auf den „Vater der Nation“ geht der Name der Hauptstadt der Vereinigten Staaten zurück, und nach ihm wurde als einzigem US-Präsidenten ein Bundesstaat benannt: Washington State im Nordwesten der USA. Das überragende Denkmal in der amerika‧nischen Hauptstadt, das Washington Monument, ein gut 555 Fuß (169 Meter) hoher Obelisk, der 1885 eingeweiht wurde, gilt auch heute noch als eines der höchsten freistehenden Mauerwerke der Welt. George Washingtons Landsitz Mount Vernon am Potomac in Virginia wird von mehr Touristen besucht als irgendeine vergleichbare Einrichtung in den USA; auf einem weit abgeschlagenen zweiten Platz landet Elvis Presleys Grace‧land. Nach George Washington sind, neben der legendären George Washington University in Washington, D.C., zahlreiche weitere Hochschulen, Gymnasien und Grundschulen, universitäre Lehrstühle, öffentliche Plätze sowie Straßen und Brücken im ganzen Land benannt – mehr als nach irgendeinem anderen Präsidenten. Im Jahr 1879 wurde Washingtons Geburtstag, der schon von seinen Zeitgenossen gefeiert worden war, ganz offiziell zum bundesstaatlichen Feiertag erhoben und knapp 100 Jahre später in President’s Day umbenannt.
Mehrere Kriegsschiffe, darunter das erste nuklear getriebene Raketen-U-Boot der Welt und ein Flugzeugträger, tragen den Namen von Amerikas erstem Präsidenten. Unter den nach Präsi‧denten benannten Bergen der Presidential Range, einer Bergkette in New Hampshire, überragt Mount Washington alle anderen Präsidentenberge; ganz ähnlich wie der 1,86 Meter große Washington selbst vermutlich die meisten seiner Zeitgenossen überragte. In den Ranglisten, die seit 1948 die Bedeutung der amerikanischen Präsidenten messen, landet George Washington durchweg auf einem der ersten drei Plätze. An keinen Präsidenten erinnern so viele Souvenirs wie an Washington; die Palette reicht von Tassen und Tellern bis zu Plätzchenformen, von Vasen bis zu Stühlen, von Gürtelschnallen über Hüte bis zu Medaillen, von George-Washington-Perücken (obwohl Amerikas erster Präsident selbst nie eine trug) bis zu „Washingtons Gebiss“, von Keksdosen bis zum legendären Handbeil des jungen Washington. Der „Vater der amerikanischen Republik“ ist auf Briefmarken abgebildet, und stündlich wechselt Washingtons Bild die Hände von Millionen von Menschen, weil sein Porträt den Ein-Dollar-Schein und die amerikanische Quarter-Münze ziert. Vielleicht hat der Historiker Kevin Cope nicht unrecht, wenn er behauptet, George Washington sei in der Kultur präsenter als irgendein anderer Mensch – Jesus eingeschlossen. In der Frühzeit der Republik hat es eine Reihe von Amerikanern gegeben, deren Name sich tief ins Gedächtnis der US-Bevölkerung eingeschrieben hat. Hamilton, Jefferson und Franklin gehören dazu. Von ihnen spricht man im Plural als den „Gründervätern“; Washington erschien dagegen auch seinen Zeitgenossen als singuläre Figur. Nachdem der Porträtkünstler Gilbert Stuart die Physiognomie des Präsidenten eingehend studiert hatte, erklärte er, Washington habe „Gesichtszüge, die völlig anders sind als die von irgendeinem anderen menschlichen Wesen … Die Augenhöhlen, zum Beispiel, sind größer, als ich je welche gesehen habe, und der obere Teil der Nase ist breiter … All seine Züge deuten auf die stärkste Leidenschaft“.





