Der von Siegfried erworbene Hort ist das verbindende Element der beiden im Nibelungenlied zusammengefügten epischen Erzählungen von Siegfrieds Tod und vom Untergang der Burgunden. Bei der Ankunft Siegfrieds in Worms wusste Hagen von Tronje zu berichten, Siegfried habe Gold und Edelsteine von den Königssöhnen Schilbung und Nibelung erworben. Letztere hätten den Xantener Helden zunächst darum gebeten, den an einem Berg aus einer Höhle herausgeschafften, mehr als 100 Wagenladungen umfassenden Schatz unter ihnen zu teilen. Als er es den beiden nicht recht machen konnte, habe Siegfried die Königssöhne und eine große Zahl ihrer Gefolgsleute erschlagen und den Schatz an sich genommen. Unter der Aufsicht von Alberich, dem Kämmerer Schilbungs und Nibelungs, sei das Gold wieder in den Berg gebracht worden und werde dort, so Hagen von Tronje, weiterhin von diesem bewacht.
Siegfried war also als Herr eines gewaltigen Schatzes, der ihm zu großer Macht verhalf, in das Epos eingeführt. Aber erst nach der Ermordung des niederrheinischen Königssohns am Burgundenhof in Worms stellte sich der Dichter auch den Hort als nach dorthin überführt vor. Auf Wunsch der Burgundenkönige habe ihn Kriemhild, die den Schatz von Siegfried als Morgengabe erhalten hatte, von Alberich freigeben und nach Worms bringen lassen. Die ganze 19. Âventiure ist diesem Werttransport gewidmet, und dabei wird auch noch einmal die Größe des Schatzes hervorgehoben: Zwölf große Wagen hätten vier Tage und Nächte lang jeweils dreimal hin- und herfahren müssen, um das Gold und die Edelsteine aus der Höhle heraus zu den Schiffen zu bringen, die dann den Rhein hinauf gefahren seien. Die neue Herrin des Goldes agierte aber anders damit, als es die Burgundenkönige erwartet hatten. Sie begann es zur Anwerbung eigener Gefolgsleute zu nutzen, so dass Hagen von Tronje beschloss, Kriemhild den Schatz zu nehmen und ihn im Rhein zu versenken. Allerdings, wie der Dichter bemerkt, mit der Absicht, ihn eines Tages wieder hervorholen zu lassen.
Der zweite Teil des Nibelungenlieds, die Schilderung des Untergangs der Burgundenkönige am Hof des Hunnenkönigs Etzel, ist die Erzählung von der Rache Kriemhilds für das ihr in Worms von ihren Brüdern zugefügte Unrecht, die Ermordung ihres Gatten Siegfried. Erst kurz vor dem Tod der letzten überlebenden Burgunden, Gunthers und Hagens von Tronje, konfrontiert Kriemhild Letzteren plötzlich mit der Forderung nach der Rückgabe des Horts. Hagen behauptet, er habe geschworen, das Geheimnis des Verstecks nicht preiszugeben, solange noch einer der königlichen Brüder lebe, und provoziert damit den Tod Gunthers. Als Kriemhild ihm dessen Kopf vorlegt, verspottet er Etzels Frau mit der Bemerkung, dass ihr nun niemals der Schatz zur Verfügung stehen werde, denn nur er allein trage nun das Wissen um ihn mit sich: „Wo sich der Schatz befindet, das weiß jetzt niemand außer Gott und mir. Der soll Dir, Teufelin, für immer verborgen bleiben“. Die Verweigerung der Rückgabe kostet Hagen von Tronje das Leben, denn Kriemhild tötet ihn daraufhin eigenhändig.





