Der Begriff “Religionskrieg”
Viele Kriege und kriegerische Konflikte der Geschichte gelten bis heute als “Religionskriege”. Ob die Kreuzzüge des Mittelalters, der Dreißigjährige Krieg oder sogar der islamistische Terror und im Gegenzug der Krieg der USA im Irak: Häufig gibt es die Ansicht, dass Unterschiede in der Religion die treibende Kraft hinter solchen Konflikten sind. Gerade bei historischen Kriegen gelten zudem die Machtinteressen und die Geldgier des Klerus als geheime Motivation für die Konflikte.
Doch woher kommt der Begriff “Religionskrieg” überhaupt und was war damit im Ursprung gemeint? Genau mit dieser Frage hat sich der Historiker Christian Mühling von der Universität Würzburg in seiner Doktorarbeit näher befasst. Für seine mit einem Preis ausgezeichnete und gerade als Buch erschienene Arbeit ist er zurückgegangen an die Wurzeln des Begriffs – in die Zeit des französischen Königs Ludwig XIV. – dem Sonnenkönig.
Ursprung im Hugenotten-Konflikt
Ursprung des Ganzen ist der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Frankreich: Die durch Martin Luther vor 500 Jahren angestoßene Reformation sorgte damals in Frankreich für besonders heftige Turbulenzen. Bis 1593 kam es zu insgesamt acht Bürgerkriegen zwischen Katholiken und Hugenotten.
Als dann im Jahr 1643 der Ludwig XIV. an die Macht kam, verschlimmerte sich die Lage der Hugenotten: Der Sonnenkönig trachtete im Verein mit der katholischen Kirche danach, den Protestantismus zurückzudrängen. Mit einer Flut von restriktiven Gesetzen sorgte er unter anderem dafür, dass die Hugenotten ihre Toten nicht am Tag beerdigen oder nicht jeden Beruf ausüben durften. Im Jahr 1685 folgte schließlich ein Totalverbot des reformierten Protestantismus.
Fake News vom Sonnenkönig
Doch Ludwig XIV. beschränkte sich nicht auf Gesetze, wie Mühling herausfand. Der Sonnenkönig heizte auch die Debatten darüber an, wer Schuld an dem schwelenden Konflikt trug. Dabei scheute man vor klaren Schuldzuweisungen nicht zurück. In Flugblättern und anderen Schriften, die zu 90 Prozent von Geistlichen verfasst wurden, wies die katholische Seite die Schuld den Hugenotten zu und propagierte deren Vernichtung als “gottgefällige” Tat.
Der König selbst mischte in der Debatte mit und schreckte dabei nicht vor Falschmeldungen zurück, die er unter falschen Namen veröffentlichen ließ. “Fake News” seien demnach keineswegs eine Erfindung des Social-Media-Zeitalters, so Mühling. “In der Propaganda Ludwigs XIV. waren sie eher die Regel als die Ausnahme”, berichtet der Historiker. Die Beschuldigten wehrten sich: Sie trugen zum Beispiel die Behauptung vor, die Religion diene den Katholiken nur als Vorwand, um an Geld und Macht zu kommen.





