Mit der Teilung der Habsburger-Monarchie in eine östliche und eine westliche Reichshälfte war 1867 die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie entstanden (siehe DAMALS 7-1997). Dieser Dualismus mit Wien und Budapest als Zentren führte zwar zum Ausgleich mit den Ungarn, verbaute dafür aber den Weg zu ähnlichen Lösungen vor allem mit den Tschechen und Südslawen, also den Slowenen, Kroaten und Serben. Als Folge dessen blockierten nationalpolitische Parteien über Jahre hinweg die Arbeit des Reichsrats der österreichischen Reichshälfte. So trat 1910/11 die Regierung des Grafen Bienerth-Schmerling wegen der massiven Obstruktionspolitik der Tschechen im Parlament zurück. Sie war damit eine der vielen kurzlebigen Regierungen der westlichen Reichshälfte der Habsburger-Monarchie, die am zentralen Problem der Zeit, der Nationalitätenfrage, gescheitert war.
So lebten im westlichen Teil der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn neben den politisch dominierenden Deutschen, die vor allem im Bereich des heutigen Österreich, aber auch als Minderheit in den anderen Kronländern wie Böhmen, Mähren, Galizien und der Bukowina siedelten, viele andere Nationen: Tschechen, Polen, Ukrainer, Rumänen, Slowenen und Italiener, um nur die wichtigsten zu nennen. Im ungarischen Reichsteil siedelten neben den Ungarn noch Rumänen, Slowaken, Kroaten, Serben und ebenfalls Deutsche.
Vor allem zwei der nationalen Probleme hatten im Lauf des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts dramatische Entwicklungen genommen: der Kampf der Tschechen um das böhmische Staatsrecht und die sogenannte südslawische Frage, die beide Reichshälften betraf, was die Sache nicht einfacher machte. Die Tschechen sahen zunehmend ihr Heil in einem eigenen Staat, doch war die südslawische Frage – wie sich her-ausstellen sollte – von noch größerer Brisanz. Franz Joseph selbst stand allen weiteren Zugeständnissen an eine der anderen Nationen außer den Deutschen und den Ungarn ablehnend gegenüber, doch sein vorgesehener Nachfolger Erzherzog Franz Ferdinand hatte eigene Pläne. Er wollte für die Südslawen eine so-genannte austroslawische Lösung schaffen, das selbständige Königreich Serbien erobern und die Slowenen, Serben und Kroaten unter der Führung der katholischen Kroaten innerhalb der Monarchie in einem südslawischen Königreich vereinen (Trialismus mit dem zusätzlichen Zentrum Zagreb).
Das war der Hintergrund für die tödlichen Schüsse, die am 28. Juni 1914 in Sarajevo fielen. Der in Bosnien-Herzegowina lebende Serbe Gavrilo Princip erschoß Franz Ferdinand und seine morganatische (nicht standesgemäße) Ehefrau Sophie. Damit löste er eine Katastrophe ungeheuerlichen Ausmaßes aus, den Ersten Weltkrieg, der mit seinen Folgen Mittel- und Osteuropa grundlegend umgestaltete. Doch die nationale Frage war nur eine der vielen Schwierigkeiten, mit denen die Monarchie konfrontiert war. Soziale Spannungen entluden sich immer wieder in Unruhen, vor allem die Arbeiter protestierten gegen die Teuerung, die ihnen die Lebensgrundlage nahm. Die Lage der arbeitenden Klasse, aber auch die der Bauern war allgemein nicht besonders gut. Auch die Kleingewerbetreibenden spürten die Konkurrenz der Fabriken und lebten in ständiger Angst vor der Proletarisierung, was sie für radikale Ideologien empfänglich machte.





