Angefangen mit Lenin über Mussolini, Hitler und Stalin als Repräsentanten der Weltkriegsepoche, geht es mit Ho Chi Minh, Walter Ulbricht, Tito und Mao Zedong in die Welt des Kalten Krieges. Zwischendurch taucht Franco auf, dann kommen Ceaus‹ escu, Idi Amin, Slobodan Miloševi ´c, Pinochet und schließlich Saddam Hussein.
Die Texte sind informativ und lesen sich gut, auch wenn Mängel der Sprache, des Stils und der Textredaktion stören. Die Herausgeber stellen den „toten Diktator“ des 20. Jahrhunderts in die historische Perspektive des toten Königs. Das Verbindende sei das Charisma, wie es Max Weber dargelegt hat. Aber: War jeder König ein Diktator? Offenbar fehlte den Diktatoren des 20. Jahrhunderts die Fähigkeit der Könige und Autokraten seit der Antike, ihre Nachfolge zu regeln. Insofern repräsentierte Francisco Franco die Tradition der katholischen Autokratie im Spanien des 18. und 19. Jahrhunderts, denn nach seinem Tod sollte die Monarchie wiedereingeführt werden. Folgt man Eric Hobsbawm, der in seinem Werk über das „Zeitalter der Extreme“ (1995) General Franco den „altmodischen Autoritären und Konservativen“ zuordnet und teilweise auch den Verfechtern eines „organischen Staatsideals“, dann war der Spanier zwar ein Trittbrettfahrer des europäischen Faschismus, aber kein faschistischer Diktator.
Mussolini und Hitler hingegen endeten, dem faschistischen Vitalismus gemäß, wie räudige Hunde: Wer sich nicht als der Stärkere erwies, musste eben verrecken. Lenin und Stalin wiederum repräsentierten im Tod die biographischen und politischen Neurosen ihres Herkommens und gesellschaftlichen Umfelds, die sie im bolschewistischen Terror gebündelt hatten. Voll Hass verfolgten und vernichteten sie alle, denen sie misstrauten, und endeten in der Angst des von allen Verlassenen.
Die Autoren schreiben nichts über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen „den Diktatoren“ im Jahrhundert der Extreme. Das Bild von deren Untergang fügt sich noch nicht in eine kohärente historische Erzählung ein, so dass es schwerfällt, hier Typisierungen anzudeuten. Doch darum geht es Herausgebern und Autoren auch gar nicht. So kundig die Beiträge sind, so wenig nehmen sie aufeinander Bezug. Ein erkenntnisleitendes Interesse ist nicht auszumachen. Der Band demonstriert so die Schwächen einer „Kulturgeschichte des Politischen“, die sich im Sammeln und Beschreiben erschöpft. Eine analytisch ernsthafte Kulturgeschichte dagegen leistet weit mehr und trägt viel zum Verständnis historischer Zusammenhänge bei. Das wird hier nicht angemessen berücksichtigt.
Rezension: Prof. Dr. Anselm Doering-Manteuffel





