Die Ankunft der Europäer in der Neuen Welt hatte für die indianischen Ureinwohner fatale Folgen. Sie wurden ermordet, starben reihenweise an Seuchen und wurden aus ihrem Lebensraum vertrieben. Ihre Zahl sank dadurch dramatisch. Wann dies geschah, ist jedoch bisher strittig: “Seit mehr als einem Jahrhundert diskutieren Historiker das Ausmaß und Tempo, mit dem die einheimischen Populationen zwischen 1492 und 1900 schrumpften”, erklären Matthew Liebmann von der Harvard University und seine Kollegen.
Schnell und drastisch oder langsam und schleichend?
Einige Forscher sind der Ansicht, dass eingeschleppte Krankheiten wie die Pocken die indianische Bevölkerung schon kurz nach Ankunft der ersten Europäer drastisch dezimierte. Dieser Schwund war so abrupt und enorm, dass sich dies ihrer Ansicht nach sogar auf Natur und Klima auswirkte: Weil Felder und Siedlungen verfielen und von Bäumen überwuchert wurden, schluckten die Wälder mehr Kohlendioxid und sollen so den Treibhauseffekt verringert haben – die kleine Eiszeit sei die Folge gewesen. Andere Historiker sehen dies jedoch anders, sie gehen eher von einer graduellen Abnahme der indianischen Bevölkerung aus, die sich über viele Jahrhundert hinzog.
An einem Beispielgebiet in der Jemez Provinz im US-Bundesstaat New Mexiko haben Liebmann und seine Kollegen beide Hypothesen nun genauer überprüft. Für ihre Studie kartierten sie 18 ehemalige Dörfer der indianischen Ureinwohner mittels LIDAR. Diese lasergestützte Vermessung machte die Struktur der heute von Wald überwucherten Pueblodörfer sichtbar. Zusätzlich analysierten die Forscher die Jahresringe dieser Bäume, um festzustellen, wann sie inmitten der Ruinen gewachsen waren – denn das verrät, wann die Dörfer aufgegeben wurden.
Drastische Entvölkerung ab 1620
Das Ergebnis: Obwohl die ersten Kontakte der einheimischen Bevölkerung mit den Europäern bereits um 1539 stattfanden, gab es in diesen Dörfern erst fast 100 Jahre später, ab 1620, Anzeichen für einen Bevölkerungsschwund, wie die Forscher berichten. Dieser Schwund war dann jedoch umso rapider: “Wir sehen eine sehr schnelle Entvölkerung zwischen 1620 und 1680 – in dieser kurzen Zeit starben 87 Prozent der Bevölkerung”, berichtet Liebmann.
Erkennbar war der Populationsschwund sowohl am plötzliche Aufschießen vieler neuer Bäume in dieser Zeit, als auch an den vermehrten Waldbränden, die der Aufgabe der Dörfer folgten. “Wenn Menschen in diesen Dörfern leben, dann benötigen sie Holz für ihre Dächer, fürs Heizen und Kochen”, erklärt Liebmann. “Zudem roden sie den Wald für ihre Felder, so dass dort keine Bäume wuchsen, solange diese Orte bewohnt waren. Doch als die Menschen verschwanden, wuchs der Wald und Brände breiteten sich darin wieder ungehindert aus.





