Viele Siedlerinnen und Siedler flohen vor Not und Verfolgung. Der Wunsch nach politischer oder religiöser Freiheit sowie die Sehnsucht nach Wohlstand in dem vermeintlich grenzenlosen Land waren die wichtigsten Gründe für die Auswanderung. Doch die Realität hatte häufig wenig mit den Träumen zu tun. Die Regionen, in welchen sich die Deutschen niederließen, warteten nicht darauf, „entdeckt“ und erschlossen zu werden. Denn dort lebten bereits Menschen. Im Jahr 1500 hatten rund sieben Millionen Indigene Nordamerika bevölkert. Infektionskrankheiten, die aggressive Umsiedlungspolitik der Neuankömmlinge und Gewalt reduzierten bis 1900 ihre Zahl auf etwa 237 000.
Die Auswanderer aus dem deutschen Südwesten hatten Teil am Siedlerkolonialismus. In ihrer neuen Heimat suchten sie Wege zum Zusammenleben mit den Indigenen Amerikas und beteiligten sich gleichzeitig an deren Vertreibung und Vernichtung. Sie begegneten Indigenen in Kooperation und Konkurrenz, kämpften immer wieder gegen sie, aber versuchten auch, sie kennenzulernen. Ihre Vorstellung von Indigenen war oft ambivalent: einerseits geprägt vom rassistischen Bild des „grausamen Wilden“ und andererseits vom idealisierenden Gegenbild des „edlen Wilden“. Vier Beispiele zeigen unterschiedliche Formen der Begegnung zwischen Südwestdeutschen und Indigenen.





