Um einen Anhaltspunkt zu haben, wieviel Platz man bräuchte, um nur noch “glückliche” Kühe, Schweine und Hühner in Deutschland zu halten, kann man sich an den Bestimmungen des “Neuland”-Vereins orientieren. Der wurde in den achtziger Jahren von Verbänden wie dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und dem Deutschen Tierschutzbund gegründet.
Würde der Neuland-Flächenschlüssel für jedes dieser Tiere gelten, dann würde der Platz, der heute für die Nutztierhaltung in Deutschland zur Verfügung steht, nicht mehr ausreichen. Gegenwärtig wird für Wiesen, Weiden und den Anbau von Futtermitteln eine Fläche genutzt, die so groß ist wie die Bundesländer Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und Hamburg zusammen (104000 Quadratkilometer). Für die 170 Millionen Tiere in Neuland-Haltung bräuchte man 19000 Quadratkilometer mehr, ein Areal – das fast die Größe von Rheinland-Pfalz hat.
Es gibt zwei Auswege: Entweder sie verzichten noch häufiger auf Fleisch, oder sie schaffen mehr Platz für die Nutztierhaltung in Deutschland. Wahrscheinlich würden sie sich für die erste Möglichkeit entscheiden – vor allem aus finanziellen Gründen. Ein paar Hektar Wald könnte der eine oder andere vielleicht entbehren, damit es dem Schlachtvieh bessergeht, mehr bezahlen wollen die meisten aber nicht. Denn eine artgerechte Tierhaltung verursacht Mehrkosten, die der Bauer an die Verbraucher weitergeben muß. “Der Ladenpreis von Neuland-Fleisch liegt je nach Tierart und Produkt 20 bis 60 Prozent höher als bei Fleisch aus konventioneller Haltung”, sagt Heinrich Rahlfs, Geschäftsführer von Neuland in Niedersachsen.
Wenn man allerdings auf das Szenario von Prof. Arnim Bechmann setzt, muß es ganz so schlimm nicht kommen. Der Leiter des Zukunftsinstituts Barsinghausen bei Hannover, einer unabhängigen Forschungseinrichtung, hat berechnet, wie die deutsche Landwirtschaft flächendeckend auf ökologische Methoden – inklusive artgerechter Tierhaltung – umgestellt werden kann. Seine These: Der Fleischpreis kann auf dem jetzigen Niveau gehalten werden – allerdings müßte man dazu die Subventionen, die derzeit für die Vermeidung, Verwaltung und Vernichtung überschüssiger Agrarprodukte ausgegeben werden, gezielt auf Öko-Bauern umschichten.
Einen sehr viel schnelleren Wandel könnten die Konsumenten erreichen, indem sie tun, was sie vorgeben zu wollen – und nur noch Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren kaufen. Bisher sind moralische Grundsätze aber meist vergessen, wenn es an die eigene Geldbörse geht.





