Am Beginn steht der historische Brauch des Bibelstechens. Dabei handelt es sich um eine Art des Wahrsagens: Mit einer Messerspitze wird ziellos eine beliebige Bibelstelle aufgeschlagen, die dann als Hinweis auf die gestellte Frage interpretiert wird. Orakeltechniken dieser Art tauchen schon seit der Antike auf. Die Technik des Bibelstechens wurde für die Ausstellung auf die Inventarbücher des Volkskundemuseums angewandt um Fotos und Objekte zu verknüpfen. Auch die Zuordnung der einzelnen Foto-Objekt-Duette an die jeweiligen Verfasser der assoziativen Begleitgeschichten geschah mittels des Losverfahrens – sie ehrhalten die volle Interpretationshoheit über die gezeigten Exponate. So kommt es zu einer Vielzahl neuer Möglichkeiten des Lesens dieser Materialien.
Dieses experimentelle Ausstellungsformat soll mit seinem freien assoziativen Spiel dazu herausfordern, an diesen Kombinationen die Geschichten, die jeder von uns immer mit sich herumträgt, zu entzünden. So soll es zu einer Verlebendigung von Geschichte aus unserer Gegenwart heraus und in sie hinein kommen.
Ein Beispiel: Der Autor Helmut Neudlinger bekam per Los die Kombination aus einem Taschentuch vom Ende des 19. Jahrhunderts, welches das Eisenbahnnetz der Habsburgermonarchie aufgedruckt hat und eine Postkarte von 1962, die das Grand Hotel in Oslo zeigt. „Der Zufall schickt mich auf die Reise.“ – Auf diese Reise nimmt er den Besucher in seinem Text mit von Oslo durch die Habsburgermonarchie.





