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Der Zweite Weltkrieg in seiner Totalität

Der Zweite Weltkrieg in seiner Totalität

In den letzten drei Jahrzehnten sind viele Bücher über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs erschienen, doch gilt aus Sicht des Rezensenten das hier besprochene Werk des britischen Historikers Richard Overy als die wichtigste Gesamtdarstellung des Zweiten Weltkriegs seit Gerhard L. Weinbergs Mitte der 1990er Jahre…
10. Dezember 2025
Lesezeit
2 Minuten

Wie bereits der Titel klarmacht, deutet Overy den Zweiten Weltkrieg als einen Zusammenstoß großer Reiche und damit als den letzten Imperialkrieg: Auf der einen Seite waren die traditionellen Kolonialmächte wie Frankreich oder das Britische Empire darum bemüht, ihre Imperien in der Welt und somit ihre Weltgeltung zu verteidigen, während auf der anderen Seite die Länder der Achse Berlin–Rom–Tokio die Weltordnung herausforderten. Sie strebten nach wirtschaftlichem Expansions- und „Lebensraum“, um selbst neue, eigene Großreiche aufzubauen. Wie Overy verdeutlicht, waren die Machtambitionen der Achsenmächte dabei global ausgerichtet.

Aber nicht nur hier streicht der Autor die Globalität dieses Krieges heraus: Overy versteht die außerhalb Europas liegenden Kriegsschauplätze und besonders den asiatisch-pazifischen Raum nicht als bloßes Beiwerk des in Europa tobenden Krieges. Vielmehr räumt der britische Weltkriegsexperte nichteuropäischen Orten, Akteuren und Aktionen gleichberechtigt und gleichwertig Raum in seiner Geschichte des Zweiten Weltkriegs ein.

Overy weitet den in der westlichen Geschichtsschreibung gängigen Blick auf den Zweiten Weltkrieg allerdings nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich: Er betont, dass dieser Krieg nicht erst im September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen, sondern mit Japans Invasion in Kontinentalchina und damit in den frühen 1930er Jahren begann. Auch schwiegen die Waffen nicht mit den Kapitulationen Deutschlands und Japans im Jahr 1945; vielmehr setzte sich der Krieg, der in einer postimperialen, nationalstaatsgeprägten Neuordnung der Welt resultierte und damit „für die europäischen Imperien ein Wendepunkt“ war, in Dekolonisationskriegen fort.

Overy unterstreicht auch die Totalität des Zweiten Weltkriegs, der eine Vielzahl unterschiedlicher Kriegsformen (irreguläre und reguläre Kriegsführung, Staaten-, Bürger-, Guerillakriege etc.) kannte und die Zivilbevölkerungen vollumfänglich erfasste. Es lohnt sich die Lektüre gerade der Kapitel, in denen sich Overy Themen annimmt, die in vielen Gesamtdarstellungen des Zweiten Weltkriegs nur randständig angesprochen werden: Das sind etwa die „Kriege der Zivilisten“, ziviler Widerstand gegen Besatzungsregime, Gewalt gegen Frauen, Emotionen im Krieg, der Umgang mit Kriegsgräueln und -verbrechen oder auch seine Analyse pazifistischer Haltungen und Bewegungen zu Kriegszeiten.

Richard Overy hat mit diesem 1500 Seiten umfassenden Buch sein Opus magnum vorgelegt, das ein Must-have für jeden historisch Interessierten ist!

Rezension: Dr. Takuma Melber

Richard Overy
Weltenbrand
Der große imperiale Krieg. 1931–1945
Verlag Rowohlt Berlin, Berlin 2023, 1520 Seiten, € 48,–

OveryRezensionWeltkriegsZweiten

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