In Bonn sah man den Regierungsantritt des ehemaligen Résistance-Kämpfers mit unverhohlenem Misstrauen. Würde der neue starke Mann Frankreichs die europäische Integration und die westliche Sicherheitsgemeinschaft in Frage stellen und möglicherweise sogar die Allianz mit der Sowjetunion wieder aufleben lassen? Das Treffen verlief jedoch für beide Seiten zufriedenstellend. Adenauer reiste mit der Versicherung ab, dass der europäische Integrationsprozess nicht bedroht sei, de Gaulle mit der Beruhigung, Deutschland hege keine machtpolitischen Ansprüche mehr, sondern widme sich vorrangig seinem wirtschaftlichen Wohlstand. Das Treffen im September 1958 war nicht mehr als eine nüchterne Bilanz der jeweiligen Interessenlagen. Dennoch wurde es zu einem Symbol der deutsch-französischen Freundschaft.





