Angesichts dieses state of the art trifft die Überblicksdarstellung von Alfred Schlicht, eines gelernten Orientalisten und aktiven Diplomaten, auf ein durchaus vorhandenes öffentliches Bedürfnis. Zwei Jahrtausende auf rund 200 Seiten Text zu konzentrieren ist schon ein mutiges Unterfangen. Allzu viele Einzelheiten darf man hier nicht erwarten. Dennoch bietet das Buch einige unerwartete Einsichten, die vor allem unter historisch-strategischen Aspekten von Interesse sind.
Hier ist vor allem für die Zeit des Mittelalters die Konzentration auf Fragen von Handelswegen und -beziehungen zu nennen. Für die Moderne stehen die politischen und militärischen Kontakte und Konfrontation im Mittelpunkt. Hervorzuheben ist dabei der Abschnitt über das Verhältnis der beiden deutschen Staaten zur arabischen Welt im besonderen Spannungsverhältnis des Nahost-Konflikts. Ein Epilog gibt einen gedämpft optimistischen Ausblick auf eine Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Großregionen der Alten Welt. Hinzuweisen ist auch auf das ausführliche Personen- und Sachregister, durch das das Buch zu einem leicht benutzbaren Referenzwerk wird.
Das Buch verzichtet auf Quellenverweise. Das ist angesichts der zu behandelnden Materialfülle und des intendierten Leserkreises verständlich, aber an manchen Stellen möchte man es doch etwas genauer wissen. Was ist etwa an der Kölner Andreas-Kirche auf arabisch-islamische Einflüsse zurückzuführen? Leider ist der Abschnitt über die vorhandene wissenschaftliche Literatur zum Thema sehr knapp gehalten und nicht immer zutreffend. Diese kritischen Bemerkungen schmälern aber in keiner Weise den Wert dieses gut lesbaren und kenntnisreichen Buches, dem auch und gerade um der Beziehungen zwischen der arabischen Welt und Europa willen eine zahlreiche Leserschaft zu wünschen ist.
Rezension: Heine, Peter





