Im Februar 1972, ungefähr einen Monat nach dem Massaker, das als Blutsonntag (Bloody Sunday) in die Geschichte eingehen sollte und bei dem britische Soldaten im nordirischen Derry 28 unbewaffnete Demonstranten teils erschossen und teils schwer verletzten, begann die Irisch-Republikanische Armee (IRA) mit größeren Angriffen in England. Die Terrorgruppe wollte die Unabhängigkeit Irlands von Großbritannien mit Gewalt durchsetzen. Eine Bombe explodierte vor der Offiziersmesse der Fallschirmjägertruppe in Aldershot und riss sieben Zivilisten in den Tod. Ein Jahr später explodierten mehrere Bomben in London. Trotz telefonischer Warnungen wurden 147 Menschen verletzt.
Auch in Birmingham, dem bevölkerungsreichen Zentrum der englischen West Midlands, begannen schließlich die Attacken. Am 29. August 1973 explodierten zwei Bomben auf den Straßen der Stadt; weitere folgten schon am nächsten Tag, und in den zwei Wochen darauf kamen fünf Explosionen hinzu. Eine der Bomben wurde von Kindern gefunden, explodierte aber glücklicherweise nicht. Einziges Opfer der Anschläge war Captain Ronald Wilkinson, der am 17. September bei dem Versuch ums Leben kam, eine Bombe zu entschärfen.
Die Mitglieder der IRA Birmingham waren fast alle Mitte 30 und lebten schon lange in der Stadt. Einige lockte das Abenteuer, andere wollten die Gewalt aus Nordirland nach England tragen. Ihr Anführer war Martin Coughlin. Unter ihm durften Anschläge ausschließlich Gebäude, nicht aber Menschen treffen. Zivile Opfer galt es um jeden Preis zu vermeiden. Den meisten Anschlägen ging eine telefonische Warnung voraus. Captain Wilkinson blieb aber nicht das einzige Opfer: Im Februar 1974 explodierte ein Bus mit Soldaten und ihren Familien; zwölf Menschen starben.
Obwohl die Polizei lange im Dunkeln tappte, zeichnete sich die IRA Birmingham nicht gerade durch strenge Geheimhaltung aus. Innerhalb der irischen Bevölkerung der Stadt gab es viele, die weder in der IRA waren noch der Sinn-Fein-Bewegung angehörten – die aber trotzdem ziemlich genau wussten, wer in der Stadt für Anschläge verantwortlich war. Solange Opfer vermieden wurden, waren die meisten von ihnen durchaus nicht dagegen. Auf ein paar Männer aus den Reihen dieser nicht ganz unwissenden Unbeteiligten warteten 16 Jahre Martyrium – verurteilt für ein Verbrechen, das sie nicht begangen hatten.
Anstoß der Ereignisse war der Tod des Bombenlegers James McDade, der von der eigenen Bombe in Stücke gerissen wurde. Im Gegensatz zu einigen anderen Figuren in der Stadt hätten die wenigsten McDade für einen IRA-Mann gehalten. Als sein Tod publik wurde, spotteten manche, die IRA stecke wohl in echten Schwierigkeiten, wenn sie Typen wie McDade rekrutieren müsse. Seitdem er aus Belfast nach Birmingham gekommen war, hatte er es sich mit einigen Freunden verscherzt. Er galt als jäh-zorniger Trinker. Trotzdem entschieden fünf Männer, gemeinsam nach Irland zu reisen, um dort McDades Beerdigung beizuwohnen: Gerry Hunter, der McDade noch aus der Oberschule kannte, Billy Power und Paddy Hill, die McDade sogar schon seit der Grundschule kannten, Richard McIlkenny, ein Freund der Familie McDade, und Johnny Walker, ein überzeugter Republikaner, der seine Freunde begleiten wollte.





