Bewusst stellen sich die Gründer der Deutschen Demokratischen Republik in die Tradition des Antifaschismus und der deutschen kommunistischen Arbeiterbewegung, in Erinnerung an den gemeinsamen Kampf gegen den Nationalsozialismus. Der sorgsam gepflegte antifaschistische Gründungsmythos machte deutlich, dass man sich – anders als die Menschen in der Bundesrepublik – nicht zu den Tätern, sondern zu den Opfern des Faschismus zählte, aber auch letztlich zu den Siegern der Geschichte. In den Jahren nach der Staatsgründung trat als zusätzliches Motiv verstärkt die Systemrivalität mit dem Westen in den Vordergrund. Moralisch unangreifbar, ökonomisch erfolgreich und wehrhaft, sollte der neue Staat die Überlegenheit des Sozialismus demonstrieren. Nach innen diente der Einheitspartei SED der antifaschistische Impuls als Legitimation der Herrschaft: bei der Zerschlagung des oppositionellen Bürgertums, der Unterwerfung der 1946 zwangsvereinigten Sozialdemokratie sowie der Kollektivierung der Bauernschaft bis hin zur Niederschlagung des Arbeiteraufstands von 1953 und zum Bau des „antifaschistischen Schutzwalls“ 1961.





