Die Grundlage für Zwangsarbeit wurde bereits nach dem Pogrom 1938 gelegt. In Burgpreppach in Bayern mussten Juden, deren Synagoge zerstört worden war, zwangsweise die Trümmer ihres zerstörten Gotteshauses beseitigen, bevor man sie zwei Wochen später im Dachauer Konzentrationslager internierte. In Minsk errichtete Daimler-Benz nach Beginn des Unternehmens Barbarossa 1941 ein Reparaturwerk für beschädigte Kraftfahrzeuge der Wehrmacht. Mit mehr als 5000 größtenteils Zwangsbeschäftigten war es eines der größten Werke in Osteuropa.
Auch im Reichsgebiet wurde auf Zwangsarbeit zurückgegriffen, um den durch den anhaltenden Krieg gesteigerten Materialbedarf zu decken. BMW setzte in seinem Flugzeugmotorenwerk in München-Allach zu 90 Prozent Zwangsarbeiter ein. 1944 erreichte die Zahl der in Barackenlagern auf dem Betriebsgelände untergebrachten Zwangsarbeiter die 14000er Marke. Gleichzeitig wurden auf dem Land Fälle von „Verbotenem Umgang“ zwischen Zwangsarbeitern und der einheimischen Bevölkerung rigoros bestraft. Die Einheimischen, die den Zwangsarbeitern häufig nur zusätzliche Essensrationen zukommen ließen, kamen vergleichsweise glimpfliche davon, während die Zwangsarbeiter mit empfindlichen Strafen zu rechnen hatten.
Neben Einblicken in das Leben der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs und zur Beginn der NS-Herrschaft, bietet die Ausstellung auch einen Blick auf den Umgang mit den Zwangsarbeitern nach dem Krieg. Viele in Deutschland zurückgebliebene Zwangsarbeiter, darunter überlebende Juden, wurden von den Besatzungsmächten in Lagern für „Displaced Persons“ untergebracht. Im größten Lager Föhrenwald bei München lebten durchschnittlich bis zu 6000 Menschen, die auf ihre Ausreise in die USA, Kanada, Australien oder Palästina bzw. Israel warteten. Solche, die sich in Deutschland eine neue Existenz aufbauen wollten, wurden von der einheimischen Bevölkerung kritisch betrachtet, da sie als kostspielige Belastung galten.
Im Zuge der 1970er Jahre begann die Kultur des Schweigens und Vergessens aufzubrechen. Verbrechen wie die Erschießung von Alexandra Tubicha in im hessischen Wippenbach in den letzten Kriegstagen wurden aufgedeckt, obschon Jahrelang ein Mantel des Schweigens über solchen Ereignissen lag. Tubicha wurde ermordet, dann auf einer Müllhalde verscharrt und letztlich in einem namenlosen Grab beigesetzt. Im Ort gibt es kein sichtbares Zeichen ihres Todes und dessen Umständen. Diese Unkultur des Schweigens führte in Fällen wie diesem zu Untersuchungen, die oft auf Initiative von Einheimischen begonnen wurde. Letztlich wurde 2001 durch internationalen Druck von Unternehmen, die Zwangsarbeiter beschäftigten, und dem Bund eine Stiftung gegründet, die mit Wiedergutmachungszahlungen in Höhe von 1,7 Milliarden Euro für die Opfer der NS-Zwangsarbeit betraut wurde.





