Versuche des Reichskanzlers, den selbstbewussten Röhm zurechtzuweisen, scheiterten. Daher befahl Hitler Ende Juni 1934, Röhm und weitere hohe SA-Führer zu ermorden. Zugleich ließ er konservative Gegner des Nationalsozialismus und Männer umbringen, die sich schon vor 1933 Hitlers Feindschaft zugezogen hatten, wie etwa der frühere bayerische Generalstaatskommissar Gustav von Kahr.
Den Anlass für die mehrtägige Mordaktion lieferte eine kritische Rede Franz von Papens, die dieser rund zwei Wochen zuvor in Marburg gehalten hatte. Neben dem genannten Personenkreis gerieten einige Menschen zufällig, aufgrund einer Namensverwechslung oder weil SS-Leute die Gelegenheit für persönliche Rache nutzten, ins Fadenkreuz von SS und Gestapo. 90 Mordopfer sind namentlich bekannt.
Einen „Röhm-Putsch“ gab es nie. Das Regime versuchte aber, die Morde per Gesetz als „Staatsnotwehr“ gegen einen angeblichen Putschversuch Röhms und der SA zu legalisieren. In einer Rede vor dem gleichgeschalteten Reichstag erklärte Hitler, er habe als „oberster Gerichtsherr“ handeln müssen. Die SA war in der Folge nahezu entmachtet; die Reichswehr sah sich gestärkt; die SS hatte die Grundlage für ihren Aufstieg im Machtapparat gelegt. Niemand machte Hitlers Machtanspruch mehr streitig.
Der Historiker und Journalist Sven Felix Kellerhoff, der schon mehrere Publikationen zum Nationalsozialismus vorgelegt hat, hat die Mordaktion in einem flüssig geschriebenen Buch gründlich aufgearbeitet und zugleich eine Lücke geschlossen. Denn eine wissenschaftlich belastbare Monographie zu diesen Ereignissen fehlte bislang.
Kellerhoff schildert die Vorgeschichte und auch den Charakter Ernst Röhms. Er zeigt, wie sicher sich dieser – noch im Moment seiner Verhaftung am 30. Juni 1934 – wähnte und wie sich das Verhältnis der SA und der Reichswehr, aber auch Hitlers zu Röhm im Lauf der Jahre 1933/34 verschlechterte. Kellerhoff beleuchtet außerdem, wie eine kleine konservative Gruppe aus dem Vizekanzler-Amt vergeblich versuchte, durch die Marburger Rede den Reichspräsidenten zu einem Eingreifen gegen die Nationalsozialisten zu bewegen. Atmosphärisch sehr dicht beschreibt der Autor, wie kaltblütig und brutal die Mordaktion ablief.
Er liefert eine ebenso erhellende wie bedrückende Innenansicht des NS-Machtapparats, der die mörderischen Befehle Hitlers skrupellos und ohne jeden Zweifel befolgte.
Rezension: Prof. Dr. Philipp Austermann
Sven Felix Kellerhoff
„Röhm-Putsch!“ 1934
Hitlers erste Mordaktion
Verlag Herder, Freiburg 2024, 272 Seiten, € 24,–





