Der Autor scheut nicht davor zurück, stark psychologisierend zu argumentieren und mittels eindringlicher Motivanalyse der einzelnen Akteure deren Handeln in den größeren Zusammenhang des imperial-maritimen Ausgreifens Portugals an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert zu integrieren. Diese darstellerische Vorgehensweise machte es erforderlich, sehr ins Detail zu gehen, mit langen Zitaten aus Quellen des 16. Jahrhunderts. Crowley beschreibt den königlichen Hof in Lissabon ebenso ausführlich wie die schier unmenschlichen Anstrengungen an Bord der Schiffe und die Kämpfe zwischen Afrika und Indien.
Das Buch ist stark deskriptiv angelegt, verzichtet aber nicht auf analytische Passagen. Anschaulich werden die vielen und grausamen Schlachten geschildert, aber wegen Wiederholungen ist es manchmal auch etwas ermüdend, davon zu lesen.
Im ersten Kapitel des Buchs geht es um die am portugiesischen Hof von König Manuel „dem Glücklichen“ vorherrschenden Weltbilder, um den Plan, den Seeweg nach Asien durch Umschiffung Afrikas zu finden und das sagenumwobene Indien zu erreichen (und zu erobern), sowie um Vasco da Gama.
Das zweite Kapitel beschreibt die wirtschaftlichen, geostrategischen und religiösen Motivationen für das maritime Ausgreifen nach Osten, es geht um Pedro Álvares Cabral, um die Gründung des portugiesischen Estado da India 1505 und um die ersten miteinander konkurrierenden Gouverneure von Indien („ Vizekönige“) Francisco de Almeida und Afonso de Albuquerque.
Das dritte Kapitel schließlich dreht sich nahezu ausschließlich um die Taten des Afonso de Albuquerque, des „Löwen des Meeres“, um seine Eroberungsleistungen und seine zentrale Rolle bei der Festigung der portugiesischen Herrschaft in Asien, um seinen gewalttätigen und wankelmütigen Charakter. Crowley zählt Albuquerque „zu den großen Eroberern und visionären Reichsgründern der Weltgeschichte, dem es als erstem Europäer seit Alexander dem Großen gelungen ist, in Asien ein Reich zu gründen“.
Bei aller Bewunderung für die außergewöhnlichen Leistungen der Portugiesen in Asien – Brasilien kommt in diesem Buch so gut wie nicht vor – weist der Autor immer wieder auf die zahlreichen Massaker, auf grausamste Terrormaßnahmen, auf unbändigen Zorn und schreckliche Rachegelüste der Portugiesen hin. In diesem Sinn ist er um „historische Gerechtigkeit“ bemüht. Almeida etwa attestiert er persönlichen Wagemut und militärische Fähigkeiten, zugleich aber prangert er dessen „gnadenlose und sadistische Vergeltungsmaßnahmen“ an.





