Was der Verfasser in den „Hunderten von Aktenordnern mit Tausenden von Dokumenten“ fand, überraschte ihn selbst. „Immer wieder dachte ich: Das war nicht das, was man mir in der Schule beigebracht hat.“ Israels „neue Historiker“, zu denen Segev gehört, hinterfragen das propagandistisch gefärbte offizielle Schwarz-Weiß-Bild Israels aufgrund der Dokumente. Dies führte zu beträchtlicher Aufregung.
Das nun auch deutsch vorliegende Werk dokumentiert im ersten von vier Hauptteilen das Ringen zwischen Juden und Arabern, das mit der Flucht und Vertreibung des Großteils der arabischen Bevölkerung endete. Man findet viele urkundlich dokumentierte Angaben darüber, dass es Vertreibungen gab und wie sie organisert wurden. In diesem Bereich bleiben noch Unterlagen unter Verschluss: „Geheim bleiben vor allen jene, die Beweise für die Greueltaten enthalten, die während des Krieges von 1948 von israelischen Soldaten verübt wurden, oder jene, in denen Diskussionen hochrangiger Kabinettsmitglieder über die Notwendigkeit der Vertreibung der arabischen Bevölkerung fest‧gehalten sind.“, schreibt Segev in seinem Vorwort zur engli‧schen Ausgabe, das auf 1998 datiert ist.
Ein zweiter Hauptteil des Buches befasst sich mit der Einwanderung von Juden aus Afrika und Asien, die der israelische Staat förderte, un‧geachtet der unzumutbaren Zustände in den Einwandererlagern. Weitere Teile schildern das Ringen zwischen säkula‧ristischen und orthodoxen Juden sowie – weiter gefasst – die Härten der Zeit (mit Rationierung und Schwarzmarkt) und die Hoffungsträume der damaligen Israelis.
Rezension: Hottinger, Arnold





