Fast über Nacht rückte Bertha von Suttner 1889 durch den riesigen internationalen Erfolg ihres Antikriegsromans „Die Waffen nieder!“ ins öffentliche Rampenlicht – und die damals 46-Jährige hatte endgültig ihre Bestimmung gefunden: den Einsatz für die Friedensbewegung. Die Art, wie Bertha von Suttner selbstbewusst auf die politische Bühne trat und dazu betrug, einer sozialen Massenbewegung wesent‧lichen Antrieb zu verleihen, war zu ihrer Zeit beispiellos.Suttner war erfüllt von ihrer Mission. Im Juni 1892 schrieb sie an ihren langjährigen Brieffreund, den Dynamit-Erfinder Alfred Nobel: „Ich bin nun bald 50 – das ist so das Alter, in welchem die Frauen früherer Jahrhunderte Chancen hatten, als Hexen verbrannt zu werden – und jetzt: wahrlich, ich fühle mich so lebens- und thatenkräftig, so arbeitsfroh …“
Mit „nun bald 50“ konnte Suttner schon auf ein durchaus bewegtes Leben zurückblicken. Als sie am 9. Juni 1843 in Prag im Familienpalais Kinsky geboren wurde, war ihre Mutter, Sophia Wilhelmine Gräfin Kinsky, bereits Witwe. Berthas Vater, der pensionierte k. u. k. Feldmarschall Franz Joseph Graf Kinsky von Wchinitz und Tettau, war einige Monate zuvor gestorben.
Dr. Laurie R. Cohen





