Die Autorin zeigt aber auch die Forschungsergebnisse auf, die dieser Deutung entgegenstehen. Muhlstein sieht die Ehelosigkeit Elisabeths, die ihr als Makel vorgeworfen wurde, rein als Mittel der Politik: Sie bewahrte England vor gefährlichen Bündnisoptionen, vor spanischer Einmischung bzw. bis 1588 vor einem Krieg mit dieser Großmacht. Dies erlaubte die im Konsens mit den englischen Eliten durchgeführte Rekonsolidierung der anglikanischen Staatskirche, die dem Land alles in allem für Jahrzehnte inneren Frieden sicherte.
Die lebendig geschriebene Doppelbiographie zeigt die dem Interessierten längst bekannte Sicht von der ihre politischen Chancen immer wieder durch Leichtsinn verspielenden, von Elisabeth nach der Flucht aus Schottland inhaftierten Maria und von der englischen Herrscherin, die vorsichtig und überlegt einen Kurs steuerte, der ihrem Land innere Stabilität und äußere Sicherheit gab. Dabei werden Elisabeths Zögerlichkeit, die ihr oft zum eigenen Nachteil gereichte, sowie ihre inneren Vorbehalte, sich politischer Gegner – wie damals üblich – zur Not auch gewaltsam zu entledigen, ins Licht gerückt. Hierbei war es ihr Hauptratgeber William Cecil, der die wichtigsten Entscheidungen traf, auch im Hinblick auf Marias Hinrichtung, die als staats-politische Notwendigkeit angesehen wurde.
Das Buch geht auch auf die Probleme der Heiratspolitik im Europa des 16. Jahrhunderts ein und zeigt in diesem Licht, wie klug die Ehelosigkeit Elisabeths war. Daß diese überaus gebildete Frau im übrigen keineswegs eine prüde Jungfrau war, wird ebenfalls dargelegt, wobei die Verfasserin bei aller Distanz ein geradezu rührendes Nachempfinden zeigt.
Das Buch sollte jeder zur Kenntnis nehmen, der sich für die große Politik im konfessionellen Zeitalter und für eine der bedeutendsten Herrscherinnen interessiert, die jemals in Europa regiert haben.
Rezension: Erbe, Michael





