Ausgehend vom Staatsschutz in der Weimarer Republik, wird die organisatorische Andersartigkeit der Gestapo seit 1933/34 beschrieben, bevor das Personal in den Blick kommt. Immer dort, wo nicht so sehr der Typus des Polizeibeamten, sondern der juristisch geschulte Fachmann des völkisch-rassischen Herrschaftsdenkens an den Schaltstellen des Sicherheitsapparats anzutreffen war, erkennt man den Wesenskern des NS-Staats. Die Ideologie der Neuordnung mittels rassischer Elitezucht und die Praxis, das ideologische Konzept mittels Terror zu realisieren, charakterisierten den antimodernen Modernismus des „Dritten Reichs“. Die innere Ähnlichkeit der europäischen Varianten des Faschismus und deren Verwandtschaft mit dem Staatsterror im Stalinismus werden kaum sichtbar gemacht.
Die Kapitel über Arbeitsweise, Verfolgungspraxis im Reich und den „auswärtigen Einsatz“ der Gestapo in den eroberten Gebieten während des Krieges folgen konsequent der Chronologie und zeigen zugleich sehr klar, wie die Rastlosigkeit des NS-Systems den Vernichtungsrausch in sich schloss. Dieser Vernichtungsrausch konnte nicht haltmachen und richtete sich am Ende des Krie-ges gegen die eigenen Bevölkerung, bevor er mit der bedingungslosen Kapitulation von außen erstickt wurde.
Viele Gestapo-Leute überlebten. Das abschließende Kapitel zeigt deren gar nicht so verschlungenen Weg in die Nachkriegsgesellschaft, wo sie mit daran arbeiten durften, ihre Rentenansprüche geltend zu machen.
Rezension: Doering-Manteuffel, Anselm





