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Die Gräfin und das Kapital
Die schwedische Gräfin Christina Piper war Kaufmannstochter, einflussreiche Politikergattin, Gesellschaftsdame, vor allem aber Geschäftsfrau. Eine vorausschauende Investitionsstrategie ließ sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu Skandinaviens erfolgreichster Unternehmerin werden.
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Mehr als 1200 Kilometer hatte sie bei winterlichen Temperaturen zurückgelegt. Von Stockholm entlang der Küste südwärts, dann mit dem Postschiff über die Ostsee nach Stralsund und von dort aus quer durch die Norddeutsche Tiefebene bis in die Leipziger Gegend nach Altranstädt, wo sich zu Beginn des Jahres 1707 das politische Nervenzentrum des Königreichs Schweden befand. Im Vorjahr waren schwedische Truppen ins Kurfürstentum Sachsen einmarschiert. Im Altranstädter Schloss residierte König Karl XII. In einem Nebengebäude war die oberste Regierungsbehörde untergebracht, die Staatskanzlei, an deren Spitze Christina Pipers Gatte stand.
Im Zentrum des Friedensgipfels
Ein Jahr lang war Altranstädt seit Herbst 1706 ein Brennpunkt der europäischen Politik, wo auswärtige Gesandtschaften einander die Klinke in die Hand gaben. Wenige Wochen nach dem schwedischen Einmarsch wurde hier der Friede zwischen Karl XII. und Sachsens Kurfürst August dem Starken unterzeichnet. Im September 1707 folgte die Altranstädter Konvention mit Kaiser Joseph I., der den Protestanten im damals habsburgischen Schlesien Religionsfreiheit garantieren sollte. Die Besucherin aus dem fernen Schweden fand sich bald im Mittelpunkt des diplomatischen Getriebes. Ihre Fürsprache war begehrt, hatte sie doch das Ohr des nach dem König zweitmächtigsten Mannes im Reich.
Den Kontakt zu Christina suchte auch der berühmteste auswärtige Gast, der den Weg nach Altranstädt fand, John Churchill, Herzog von Marlborough, Sieger über die Truppen Ludwigs XIV. in etlichen Schlachten des Spanischen Erbfolgekriegs. Im Auftrag seiner Regierung sollte er im April 1707 Karl XII. überreden, Sachsen zu räumen und lieber in Russland einzufallen. Dem mit England gegen Frankreich verbündeten Kaiser war die Anwesenheit schwedischer Truppen unweit seiner böhmischen Grenze unangenehm. Bei Christina bedankte sich der Herzog mit einem kostbaren Ohrgehänge.
König Karl XII. machte mit ihr ausgedehnte Spaziergänge und ließ sich Neuigkeiten aus Stockholm berichten, das er seit sieben Jahren nicht mehr gesehen hatte. Als Christinas jüngste Schwester Anna Maria am 30. Mai 1707 in Altranstädt einen schwedischen Offizier heiratete, waren die Könige von Schweden und Polen unter den Hochzeitsgästen, und der erst 25-jährige Karl XII. ließ sich einen Tanz mit der Braut nicht nehmen.
Im August 1707 trat Christina die Rückreise an, bis Leipzig begleitet von ihrem Gatten, dem Staatskanzler, und dem Prinzen Maximilian von Württemberg, einem engen Freund des schwedischen Königs. Ihr Gepäck, Geschenke und persönliche Habseligkeiten waren in zehn Kutschen verstaut. Beim Abschied in Leipzig konnte sie freilich nicht ahnen, dass sie den Gemahl lebend nicht wiedersehen sollte.
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Christina Törne war 17 gewesen, als sie am 13. Februar 1690 den 26 Jahre älteren Carl Piper geheiratet hatte, einen Stiefbruder ihres Vaters. Beide entstammten gut situierten, wenn auch keineswegs aristokratischen Verhältnissen. Christina war die Tochter einer begüterten Stockholmer Kaufmannsdynastie. Carl war in einem Beamtenhaushalt aufgewachsen, der über mehr Bildung als Besitz verfügte. Auch er sollte eine Laufbahn im Staatsdienst einschlagen. Mit 13 ging er zum Studium an die Universität Uppsala, mit 21 trat er 1668 seine erste Stelle als Kopist in der königlichen Kanzlei an. Fünf Jahre später nahm er an einer mehrmonatigen schwedischen Gesandtschaftsreise nach Moskau teil.
Es folgte eine rasante Karriere, auch dank der persönlichen Nähe zu König Karl XI., dem zweiten in der Reihe schwedischer Monarchen aus dem Haus Pfalz-Zweibrücken. Der König war 1677 auf einem Feldzug gegen die Dänen auf den fleißigen Kanzleibeamten aufmerksam geworden und erhob ihn 1679 in den Adelsstand. Ein Jahr später holte Karl XI. zum Schlag gegen die etablierte politische Elite aus, den alteingesessenen Adel, der bis dahin die Zügel der Regierung in Händen hielt, nach einer Serie militärischer Misserfolge – darunter 1675 die verheerende Niederlage gegen Brandenburg bei Fehrbellin – jedoch an Kredit eingebüßt hatte.
Carl Piper wird zum Kanzleirat und Staatssekretär befördert
Dem König kam das zupass. Er ging jetzt dazu über, Ländereien einzuziehen, die der alte Adel von der Krone als Lehen gehalten hatte, um diesem damit das ökonomische Fundament zu nehmen. Die Politik der sogenannten Reduktionen, also „Rückführungen“, stärkte die königliche Macht und ermöglichte den Aufstieg neuer, bürgerlicher Gruppen im Verwaltungsapparat – ein Umschwung, von dem Carl Piper ganz persönlich profitierte. Ein Jahr vor der Heirat mit Christina wurde er zum Kanzleirat und Staatssekretär des Inneren befördert.
Die Eheleute bezogen ein Stadtpalais in bester Stockholmer Lage, einen sechsgeschossigen Bau mit Treppengiebel im Stil der holländischen Renaissance, den Christinas Eltern ihnen zur Hochzeit geschenkt hatten. Der Stararchitekt im damaligen Schweden Nicodemus Tessin sorgte für die Inneneinrichtung. Er ließ Möbel, Textilien, Kunstwerke aus der europäischen Modehauptstadt Paris kommen, mehrere Spiegel und ein Dutzend gläserne Lampen, die den Großteil des Budgets verschlangen, aus Venedig.
Erwerb und Bau von mehreren Immobilien
An Finanzkraft fehlte es jedenfalls nicht. Bereits 1695 erwarben die Pipers einen innenstadtnahen Landsitz auf der Insel Kungsholmen mit allem, was einen Barockgarten damals zierte, Alleen, Grotten, Orangerie, Gewächshaus. Zugleich entstand ein weiteres Stadtpalais, das Zeitgenossen immerhin bedeutsam genug erschien, um 1702 in der offiziösen Kupferstichsammlung „Suecia Antiqua et Hodierna“ („Das frühere und heutige Schweden“) abgebildet zu werden.
Carls berufliche Stellung, genauer gesagt ihr informeller Aspekt, half beim Vermögensaufbau. Er saß im Zentrum der Macht, hatte ständigen Zugang zum König. Beim interessierten Publikum verfestigte sich bald der Eindruck, dass niemand so wie die Pipers in der Lage war, Karrieren im Staatsdienst oder im Militär auf die Schiene zu setzen und voranzutreiben. Bewerber und Bittsteller standen Schlange und fanden oftmals ein geneigtes Ohr. Gratis waren solche Gefälligkeiten nicht, das war allen Beteiligten klar. Dabei verfocht Carl Piper felsenfest den Standpunkt, dass er mit Rücksicht auf seine Amtspflichten selbstverständlich keine Zahlungen entgegennehme. Wenn aber jemand seiner Gattin eine Freude machen wolle, habe er nichts dagegen.
Im Laufe ihrer Ehe brachte Christina acht Kinder zur Welt, von denen vier Töchter und ein Sohn das Erwachsenenalter erreichten. Deren Lebenswege begleitete sie über die Jahre mit Fürsorge und stets darauf bedacht, ihr Fortkommen zu fördern. In der Mutterrolle aufzugehen, wäre ihr gleichwohl nie eingefallen. Es hätte angesichts vielfältiger Herausforderungen auch nicht funktioniert.
Wenn der König nicht in Stockholm war, was oft vorkam, war Carl in seiner Begleitung: auf Bärenjagd, auf Inspektionsreisen, in Residenzen außerhalb der Hauptstadt, wo sich der Hof wochen- und monatelang aufhielt. Christina war also von vornherein daran gewöhnt, für mehr als nur Erziehungsfragen die alleinige Verantwortung zu tragen. Sie hatte ein herrschaftliches Haus mit zahlreichen Bediensteten zu managen. Sie verwaltete ein allmählich anwachsendes Immobilienvermögen. Ihre Ehe mit Carl war auch eine Arbeitsbeziehung zur Mehrung gemeinsamen Nutzens, in der sie keineswegs eine untergeordnete Rolle spielte.
Auch der neue König setzt auf den versierten Berater
Im April 1697 starb unversehens König Karl XI., dem die Pipers viel zu verdanken hatten. Wie würde der Thronfolger sich zu ihnen stellen? Karl XII. war beim Tod seines Vaters erst 15 Jahre alt und hätte nach geltendem Recht bis zum 18. Geburtstag seiner Mutter die Regentschaft überlassen müssen. Er dachte jedoch nicht daran und setzte gegen erhebliche Widerstände durch, dass er bereits im November 1697 den Thron besteigen konnte. Manches spricht dafür, dass Carl Piper ihm dabei eine wesentliche Hilfe war. Er soll sogar dafür gesorgt haben, dass ein Kritiker des Königs, der im mittelschwedischen Mora wirkende Pastor Jakob Boëthius, auf der Inselfestung Nöteborg im Ladogasee hinter Schloss und Riegel landete.
So oder so bescherte die Thronbesteigung des neuen Monarchen Carl Piper einen jähen Karriereschub. Zu Silvester 1697 erhielt er die Ernennung zum Königlichen Staatsrat. Drei Tage später wurde er in den Grafenstand erhoben und rückte damit in der Adelshierarchie von der dritten in die erste Liga auf. Karl XII. sah in ihm seinen wichtigsten Mitarbeiter, der täglich viele Stunden allein mit dem König in dessen Kabinett verbrachte. Piper erledigte die Regierungsgeschäfte, während sich der König robusteren Vergnügungen widmete.
Im Schloss fanden wüste Gelage statt, bei denen die Gäste das Mobiliar zerlegten. Gerne galoppierten Karl XII. und sein Gefolge halbstarker Adelssprösslinge auch durchs nächtliche Stockholm, warfen braven Bürgern die Fensterscheiben ein oder rissen Passanten auf der Straße die Perücken von den Köpfen. Das sorglose Treiben fand ein jähes Ende, als im Frühjahr 1700 zeitgleich eine polnische Armee im schwedischen Livland einmarschierte und eine dänische in das mit Schweden verbündete Herzogtum Holstein-Gottorf.
Christina Pipers für ihre Zeit langes Leben umspannte eine Epoche des Umbruchs. Als sie 1673 zur Welt kam, erstreckte sich Schweden bis ins östliche Baltikum und herrschte der König im Stockholmer Drei-Kronen-Palast über den führenden Militärstaat im europäischen Norden. Bei ihrem Tod 79 Jahre später war der Großmachtglanz verblichen und das Land durch den Verlust der baltischen Besitzungen auf Mittelmaß geschrumpft.
Dafür hatte es im Inneren so etwas wie eine frühe Parlamentarisierung erfahren. Durch die Verfassungsreform von 1719 war die Souveränität auf den Reichstag übergegangen, die Vertretung der vier Stände, während dem König die begrenzten Befugnisse eines konstitutionellen Monarchen verblieben waren.
Herbeigeführt hatte diesen Wandel der Große Nordische Krieg, der mit dem dänisch-polnischen Überfall auf die schwedische Interessensphäre begonnen hatte und erst 1721 mit dem Frieden von Nystad endete (siehe auch Titelthema in DAMALS 2-2025). Unter dem ungestümen Karl XII. reihten schwedische Truppen gegen eine Allianz Russlands, Dänemarks, Polens und Sachsens zunächst jahrelang Sieg an Sieg, bis sie 1709 auf dem Vormarsch nach Moskau bei Poltawa in der Ukraine eine entscheidende und vernichtende Niederlage erlitten.
Für Christina und Carl Piper bedeutete der Krieg, wie sich zeigen sollte, eine Trennung auf Dauer. Nur zweimal in den folgenden Jahren, während Carl den König auf dessen Feldzügen kreuz und quer durch Polen, Deutschland und die Ukraine begleitete, hatten sie Gelegenheit, einander zu sehen. Das erste Mal 1705, als Christina auf Anraten ihres Arztes zur Kur nach Karlsbad reiste und auf dem Weg dorthin in Rawicz Station machte, im Südwesten Polens, wo sich damals das schwedische Hauptquartier befand. Das andere Mal war 1707 beim Besuch in Altranstädt.
Christina Piper wird zur Chefin des Familienunternehmens
Umso rühriger kümmerte sie sich, nunmehr endgültig auf sich allein gestellt, zu Hause um Verwaltung und Mehrung des Familienvermögens. Schon vor der Jahrhundertwende hatten die Pipers ein Landgut auf der westlich der Hauptstadt gelegenen Insel Ekerö erworben, mit dessen Besitz Fischereirechte und das Patronatsrecht über die örtliche Kirche verbunden waren. Seit 1699 besaßen sie eine weitere Domäne in Sturefors rund 200 Kilometer südwestlich der Hauptstadt. Hier ließ Christina jetzt ein repräsentatives Schloss errichten. Den Entwurf lieferte wieder Nicodemus Tessin, der zur gleichen Zeit den neuen Stockholmer Königspalast erbaute.
Zunehmend freilich richtete sich Christinas Investorenblick auf den äußersten Süden Schwedens, die Provinz Schonen, wo ein wirtschaftliches Engagement lohnend, wenn auch nicht ganz risikofrei war. Die Landschaften Schonen, Halland und Blekinge hatten jahrhundertelang die östliche, jenseits des Öresund gelegene Hälfte Dänemarks gebildet und waren erst 1658 im Frieden von Roskilde an Schweden gefallen.
Die Dänen hatten den Verlust noch nicht verschmerzt. Zuletzt in den Jahren 1709 und 1710 erlebte Schonen eine dänische Invasion. Politische Instabilität, wirtschaftliche Risiken, Preisverfall: Die Gegend passte perfekt in Christinas Beuteschema. Sie investierte vorzugsweise in Objekte, deren Eigentümer sich in finanzieller Bedrängnis sahen. Ihren ersten großen Besitz in Schonen, das acht Kilometer nördlich von Ystad gelegene Landgut Krageholm, erwarb sie von der Witwe eines einheimischen Adligen, deren Mann als dänischer Kollaborateur in Malmö erschossen worden war.
Prekäre Besitzverhältnisse kamen ihr ebenfalls zugute bei ihrer größten und nachhaltigsten Investition in Schonen: dem Erwerb der Alaungrube in Andrarum im Nordosten der Provinz, den sie seit 1710 schrittweise und systematisch betrieb. Alaun ist ein aluminiumhaltiges Doppelsalz (am häufigsten: Kalium-Aluminium-Sulfat), das bereits im Altertum bekannt war und im Mittelalter vor allem im Vorderen Orient gewonnen wurde. Zu Christinas Zeit war es vielfältig verwendbar, zum Gerben von Leder, Färben von Textilien, zur Herstellung von Arzneien, als Leimzusatz, Feuerschutzmittel oder bei der Produktion von Kerzen und Papier.
Das Vorkommen in Andrarum war um 1630 noch unter dänischer Herrschaft erschlossen, jedoch nie profitabel betrieben worden. Zu Christinas Zeit befanden sich die Anteile im Streubesitz der Gläubiger des bereits 1657 in Konkurs gegangenen ursprünglichen Eigentümers. Es dauerte anderthalb Jahrzehnte, es kostete etliche Prozesse, es bedurfte sogar einer Intervention der Regierung in Stockholm zu Christinas Gunsten, bis diese 1725 Alleinherrin der Grube wurde. Bereits drei Jahre später erreichte die Fördermenge mit 5800 Tonnen den bisherigen Höchststand und lag damit um 30 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre seit 1700.
Christina erschloss neue Exportwege nach Bordeaux, Rouen, London, Lübeck, Danzig, Sankt Petersburg, Amsterdam, wobei sie in der Regel mit Hamburger Handelshäusern kooperierte. Sie hatte aber auch ein eigenes Schiff unter Segeln, die „Capitaine Hook“ mit Heimathafen Ystad.
Die Grube in Andrarum beschäftigte rund 200 Menschen; eine Siedlung entstand, die bis zur Jahrhundertmitte auf gut 570 Einwohner anwuchs, von Christina ausgestattet mit Schule, Krankenhaus, Armenhaus sowie zwei Kneipen mit der Lizenz zum Branntwein- und Tabakverkauf. In den Jahren 1737 bis 1741 ließ sie hier ein Schloss errichten, das heute ihren Namen trägt: Christinehof.
Der Gatte stirbt im Jahr 1716 in russischer Gefangenschaft
Den geschäftlichen Erfolg überschatteten immer wieder private Sorgen. Carl Piper war 1709 bei Poltawa in russische Gefangenschaft geraten, aus der er ungeachtet aller Bemühungen der Gattin, ihn nach Hause zu holen, bis zu seinem Tod im Mai 1716 nicht mehr freikam. In späteren Jahren musste Christina zwei Töchter und eine Enkelin begraben. Sie hatte nach Kriegsende ihren Hauptwohnsitz auf ihr Gut Krageholm in Schonen verlegt. Die Politik innerer Reformen im Nachkriegsschweden brachte wirtschaftliche Impulse, von denen auch sie profitierte. Der Staat förderte Unternehmen, gründete eine Akademie der Wissenschaften und an der Universität Uppsala einen ersten Lehrstuhl für Ökonomie.
Mit englischem und schottischem Kapital entstand 1731 eine in Göteborg ansässige Schwedische Ostindien-Kompanie, deren Geschäftsmodell auf einem Dreieckshandel beruhte. Schwedische Erzeugnisse wurden nach Südeuropa exportiert, um mit dem Erlös in Silberwährung in Ostasien Luxuswaren wie Porzellan, Lackmöbel, bemalte Wandschirme einzukaufen. Statt am Unternehmen selbst waren Investoren an den einzelnen Handelsfahrten beteiligt, und Christina war von Anfang an immer wieder dabei, allein 1746 mit Anteilen an sechs Expeditionen nach Kanton. So erzielte sie über die Jahre erhebliche Gewinne, denn im Europa des 18. Jahrhunderts war die Nachfrage nach „Chinoiserien“ enorm.
Gegen Ende ihres Lebens beherrschte Christina ein über ganz Süd- und Mittelschweden verbreitetes Wirtschaftsimperium aus Grundbesitz und Unternehmensbeteiligungen. Als Arbeitgeberin pflegte sie das Selbstbild einer fromm protestantischen Matriarchin. Wer das Abendgebet schwänzte oder gar den Sonntagsgottesdienst, riskierte eine Abmahnung, im Wiederholungsfall die Entlassung. Auf Fluchen stand ein Bußgeld, zahlbar an die Armenkasse. In seiner Predigt zur Beisetzung der im März 1752 Verstorbenen rühmte ihr Hausgeistlicher ihr nach, sich ungeachtet ihres Reichtums den Himmel verdient zu haben: „Die selige Frau Gräfin hat einen guten Kampf gekämpft.“
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