Blütezeit der Kunst vor der Reformation
Die Jahrzehnte um 1500 bedeuteten auch für Lübeck eine Zeit des Wandels und der Brüche, die mit der einsetzenden Reformation einhergingen. Zunächst bot Lübeck als führende Hansemacht besonders in den letzten Jahrzehnten vor der Einführung der Reformation im Jahr 1531 jedoch optimale Voraussetzungen für die Kunstproduktion und die Ansiedlung von Künstlern. Kaufleute und Bruderschaften investierten zur Rettung ihres Seelenheils große Geldsummen in Stiftungen. Prächtige Kunstwerke wie Flügelaltäre, Tafelgemälde, Skulpturen oder Goldschmiedearbeiten dienten dabei auch der Repräsentation des eigenen Reichtums. Die Hinwendung zur Reformation brachte dann grundlegende Veränderungen in der Kunstproduktion: Zwar blieb die Hansestadt im Unterschied zu anderen reformierten Städten von Bilderstürmern weitestgehend verschont, in Folge der reformatorischen Ablehnung der Bilderverehrung verlor die traditionelle Kunstproduktion jedoch an Bedeutung. Das künstlerische Schaffen konzentrierte sich von nun an vor allem auf den Buchdruck.
Kunstwerke als Zeugnisse einer Zeit
Die Ausstellung „Lübeck 1500″ widmet sich vor diesem Hintergrund der Zeitspanne um 1500 in der Hansestadt, als Kirchen, Kapellen und Klöster ein letztes Mal vor der Reformation in dieser Fülle mit neuen, kostbaren Kunstwerken ausgestattet wurden. Erstmals werden die Zeugnisse dieser Blütezeit in einer Schau zusammengeführt, die aus Sicht der Ausstellungsmacher auch die vielfältigen Bezüge zwischen den in Lübeck wirkenden Künstlern, Werkstätten und Auftraggebern thematisieren sowie deren überregionalen Einflussbereiche aufzeigen soll. Zu den Exponaten zählen kleine Werke wie die drei filigranen Georgsreliquiare aus Elbing und Riga, aber auch monumentale Stücke wie der von Hans Memling in Brügge gemalte Greveraden-Altar aus dem Lübecker Dom.
Zu sehen ist die Ausstellung bis 10. Januar 2016 im gesamten Museumsquartier – dem St. Annen-Museum und der Kunsthalle St. Annen – sowie in den großen Lübecker Kirchen, die ihre Kunstschätze an ursprünglicher Stätte präsentieren.





