Auf grünlicher Patina leuchtet ein Nachthimmel: Der Vollmond und der Sichelmond beherrschen die etwa 32 Zentimeter große Scheibe. Zwischen ihnen funkelt das Sternbild der Plejaden. Die Ästhetik der Himmelsscheibe besticht durch große Klarheit.
Ihr Fund elektrisierte die Archäologen. Die auf die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. datierte Himmelsscheibe ist ein Kultgerät, das mindestens 100, vielleicht sogar 300 Jahre in Gebrauch blieb. Bei aller gebotenen Vorsicht hinsichtlich ihrer Deutung ermöglicht sie so aufregende Einblicke in das Weltbild des bronzezeitlichen Menschen. Und sie zeigt die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene. Das Sternbild der Plejaden ist nur zu bestimmten Zeiten im Jahresverlauf sichtbar, und so nutzten es viele Kulturen zur Bestimmung des bäuerlichen Jahres. In der Bronzezeit zeigten sich die Plejaden Mitte März – kurz vor ihrem Verschwinden – zusammen mit dem Sichelmond am Westhimmel: das Signal für die Aussaat; Mitte Oktober, zur Erntezeit, waren sie gemeinsam mit dem Vollmond zu sehen.
Die ursprüngliche Scheibe zeigte nur die Monde und den Sternenhimmel. Später kamen die beiden Horizontbögen hinzu, die aus anderem Gold gefertigt sind; der linke allerdings ging bereits in antiker Zeit verloren. Sie vollziehen den Sonnenlauf zwischen Frühjahr und Herbst am Taghimmel nach, ihre Enden markieren also die Sonnenwenden im Juni und im Dezember. Noch später wurde das Boot hinzugesetzt, bei dem Heck und Bug markant hochgezogen sind und kleine Striche die Ruder andeuten. Dieses mythische Element erinnert an die ägyptische Vorstellung vom Sonnentransport auf einer Tag- und einer Nachtbarke.
Der Fund, der auf dem Mittelberg bei Nebra an der Unstrut gemacht wurde, war so bemerkenswert, daß es Harald Meller, dem Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte, gelang, binnen erstaunlich kurzer Zeit eine Ausstellung in Halle zu versammeln, die ihresgleichen sucht. Aus ganz Europa wurden hochkarätige Exponate, Höhepunkte der europäischen Bronzezeit, auf die Reise geschickt, darunter der sagenhafte Sonnenwagen von Trundholm (Dänemark), der sonst wegen seiner Fragilität nicht mehr außer Landes geht. ..
Landesmuseum für Vorgeschichte Halle Die Ausstellung „Der geschmiedete Himmel. Die weite Welt im Herzen Europas vor 3600 Jahren“ ist dort noch bis zum 24. April 2005 zu sehen. Tel.: ++49/(0)345/5247-361
Internet: http://www.landesmuseum-fuer-vorgeschichte-halle.de
Dr. Marlene O. Hiller





