Als die Niederländer und Franzosen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts in das Innere Nordamerikas vorstießen, lebten die Ackerbau treibenden Irokesen in Dörfern aus rindengedeckten Langhäusern, die jeweils von Großfamilien bewohnt waren. Wie ihre Selbstbezeichnung „Haudenosaunee“ andeutet, betrachteten sich die Irokesen in ihrer intertribalen Konföderation aber auch im übertragenen Sinn als „Leute des Langhauses“.
Die Gründung der Liga unter dem Großen Gesetz des Friedens hatte die vorangegangenen Stammeskriege beendet und durch die Bündelung der Stärke der „Fünf Nationen“ (zu denen um 1722 die Tuscarora als sechstes Mitglied stießen) die Grundlage für die territoriale Expansion und militärische Überlegenheit der Irokesen über ihre einheimischen Nachbarn gelegt.
Gleichzeitig inspirierte ihr Zusammenschluss zu einer einflussreichen Stammesliga die europäische Geistesgeschichte. Die gesellschaftliche Gleichstellung ihrer Frauen gab der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts wichtige Impulse, im 20. Jahrhundert wurde ihre Haartracht zum Symbol der Punk-Kultur.
Die Ausstellung begibt sich erstmalig auf eine umfassende Spurensuche. Historische Gemälde, Zeichnungen, ethnografische Exponate und Beispiele irokesischer Gegenwartskunst erzählen eine von Krieg, Handel, christlicher Missionierung, Landverlust und Isolation auf Reservationen geprägte Geschichte. Thema ist jedoch auch das Wiedererstarken der irokesischen kulturellen Identität im 20. und 21. Jahrhundert.
Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit irokesischen Künstlern, Kuratoren und Intellektuellen sowie indigenen Museen von der Bundeskunsthalle Bonn (wo die Schau bereits zu sehen war) konzipiert. Gezeigt wird eine vielschichtige Darstellung sowohl der westlichen Vorstellungen irokesischer Kultur über die Jahrhunderte hinweg, als auch der zeitgenössischen indigenen Interpretationen irokesischer Geschichte und kultureller Identität.





