Spuren der Kelten lassen sich in weiten Teilen Europas finden: von Irland bis Italien, von der Atlantikküste bis ans Schwarze Meer. Das bunte Gemisch verschiedener Stammesgemeinschaften war zwar unabhängig voneinander, bildete aber dennoch einen Kulturraum. Sie besaßen Gemeinsamkeiten in Kunst und Handwerk, vermutlich auch in Religion und Sprache. Südwestdeutschland, die Schweiz und Ostfrankreich gelten als die Wiege der keltischen Kultur, die die Geschichte Mitteleuropas im 1. Jahrtausend v. Chr. stark prägte. Ihre Siedlungszentren gelten als die ältesten Städte Mitteleuropas, die am Schluss mehrere tausend Einwohner fassen konnten. Fürstensitze wie der an der Heuneburg waren Produktions- und Handelszentren von überregionaler Bedeutung mit Beziehungen bis in den Mittelmeerraum, Orte mit politisch-administrativer und kultisch-religiöser Funktion.
Im 2. Jahrhundert v. Chr. erlebten die Kelten eine letzte Blütephase. Durch die römische Eroberung der gallischen Gebiete endete dann die eigenständige Geschichte der Kelten auf dem Festland, nur auf den Britischen Inseln waren sie weiter unabhängig. Ihre Kunst und Kultur lebten jedoch in der provinzialrömischen Welt fort, und ihr kultureller Einfluss ist noch im 7. Jahrhundert n. Chr. bei den Buchmalereien der irischen Mönche deutlich zu spüren.
Unterschieden werden die Hallstatt- (8. bis 5. Jahrhundert v. Chr.) und die Latènezeit (5. bis 1. Jahrhundert v. Chr.), benannt nach bedeutenden Fundorten keltischer Überreste. Durch die sensationelle Entdeckung des Fürstengrabes von Eberdingen-Hochdorf 1978 war der Reichtum und die Komplexität der frühkeltischen Welt erst richtig deutlich geworden.
Bereits jetzt sind in der Ausstellung „Entdeckungen. Höhepunkte der Landesarchäologie“, die noch bis April 2012 in Tübingen und Freiburg zu sehen ist, auch noch erste Funde aus den Ausgrabungen bei der Heuneberg ausgestellt: Dort wurde kürzlich ein reiches Fürstinnengrab aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. entdeckt. Vollständig zu sehen sind die Grabbeigaben der vornehmen Dame dann erstmals in der großen Landesausstellung.
Die große Landesausstellung ist im Alten Schloss und im Kunstgebäude Stuttgart zu sehen und präsentiert mehr als 1300 Exponate aus Museen in ganz Europa, darunter auch viele Neufunde. Sie wird vom Landesmuseum Württemberg, dem Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart und dem Historischen Museum Bern organisiert.
Im Stuttgarter Kunstgebäude wird der Themenblock „Zentren der Macht“ gezeigt. Keltenbilder verschiedenster Art und die Entwicklung der keltischen Zivilisation in Mittel- und Westeuropa vom 8. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr., also vom Beginn der Eisenzeit bis zur Ankunft der Römer, bilden den Einstieg. Viele Ausstellungsstücke zeigen das alltägliche Leben, Wirtschaftsweisen, Handelsbeziehungen, technologische Innovationen, Religion und die Gesellschaftsordnung der Kelten.





