Als Beispiel für den kulturellen Einfluss der Typographie stellt die Werbung freilich nur ein Beispiel dar. Denn spezifische, auf vielfältigen gestalterischen Grundsätzen basierende Schriftbilder begegnen uns heute vor allem auch in der Zeitung, in Zeitschriften, Büchern, im Fernsehen und im Internet. Daneben spielt die Typographie in ganz alltäglichen Bereichen eine zunehmende Rolle, etwa bei der Gestaltung von Rabatt- und Preisschildern im Supermarkt. Die digitale Textverarbeitung hat ihr nicht nur neue Spiel- und Gestaltungsräume eröffnet, sondern die Schriftgestaltung zu einem wichtigen Aspekt der Kommunikation innerhalb der gesamten Gesellschaft gemacht. Per Mausklick kann heute in wenigen Schritten Jedermann zum versierten Typographen werden. Fachleute und Schriftliebhaber diskutieren dagegen aber auch vermeintliche Gefahren dieser Entwicklung, wie etwa die Reduzierung der Vielfalt von Schriftarten und Formaten durch festgelegte Standards der dominierenden Textverarbeitungsprogramme.
Mit solchen fachspezifischen Diskursen und alltäglichen Formen beschäftigt sich erstmals die Mainzer Sonderausstellung „ON-TYPE: Texte zur Typographie“ des Gutenberg-Museums der Druckkunst. Die Ausstellung bewegt sich am Übergang von Kunst und Wissenschaft. Sie beleuchtet die hauptsächlichen typographiegeschichtlichen Entwicklungen der letzten einhundert Jahre im deutschsprachigen Raum, zum Beispiel die bereits genannten Folgen der Digitalisierung, oder die Frage nach einer „deutschen Schrift“. Unter den zahlreichen Exponaten finden sich zahlreiche Dokumente und Grundlagentexte zur Typographie, Thesen, Manifeste und Standortbestimmungen von Schriftgestaltern, Typographen und Kommunikationsexperten, aber auch von Schriftliebhabern und Philosophen. Hinzu kommen Typo-Insider-Magazine, bedeutende Schriftmuster und Texte, die als besonders inspirierend galten und die typographischen Diskurse maßgeblich prägten. Bei Teilen der Exponate handelt es sich um wertvolle Buchausgaben des Bestandes der Gutenberg-Bibliothek. Die für die Ausstellung zusammengetragene Sammlung ist die erste ihrer Art zum Thema der Geschichte der Typographie.
Neben den zahlreichen Texten setzt das Gutenberg-Museum verstärkt auf eine multimediale und interaktive Vermittlung der wesentlichen Inhalte der Ausstellung. Das Konzept gehe, so Museumsdirektorin Dr. Annette Ludwig, über die bloße Präsentation der Schriftstücke deutlich hinaus. So können eigens kreierte Hörbücher zum Thema wiedergegeben werden, daneben gibt es auch eine virtuelle Magazin-Anwendung zum Online-Blättern. In einer Leselounge können die Besucher Bücher und Zeitschriften einsehen und deren gestalterische Konzepte erforschen. in Workshops können sie außerdem eigene Texte zur Typographie gestalten und auf einer in der Ausstellung aufgestellten Pinnwand sowie in einem im Internet eingerichteten Web-Log eigene Gedanken zum Thema äußern.





