Die spezifische chinesische Weise der Holzkonstruktion wurde im 11. Jahrhundert auf Anordnung des Kaisers in einem Handbuch (Yingzao Fashi) detailliert festgelegt. Dank dieses Regelwerks sowie durch die große Anpassungsfähigkeit des Systems wird die charakteristische Holzbauweise seitdem von Generation zu Generation bis heute weitergegeben. Eine solche Langlebigkeit einer Baustruktur ist in der Architektur weltweit einzigartig. Im 20. Jahrhundert wurden in China von den wichtigsten buddhistischen Tempeln und Palastanlagen Dokumentations- und Lehrmodelle von höchster Präzision gefertigt. An den großformatigen Modellen sind alle Details genau nachgebildet, um das Studium und eine eventuell notwendige Rekonstruktion der historischen Bauten zu ermöglichen.
In der Ausstellung des Architekturmuseums werden 19 dieser Modelle vorgestellt, darunter befinden sich neben Detailmodellen des Konsolensystems (Dougong) die Nachbildungen der ältesten in China existierenden Holzkonstruktionen wie der Nanchan-Tempel (Tang-Dynastie, 782 n. Chr., Wutai, Shanxi), der Foguang-Tempel (Tang-Dynastie, 857 n. Chr., Wutai, Shanxi) und die Guanyin-Halle des Dule-Klosters (Liao-Dynastie, 984 n. Chr., Tanjin, Jixian). Letztere hat 28 Erdbeben überstanden, darunter jenes von 1679, bei dem außer der Halle kein anderes Gebäude in der Umgebung stehen blieb.
Weiterhin werden die Modelle der 300 m langen, aus vier Hallen bestehenden Anlage des Yongle-Palast in Ruicheng (Yuan-Dynastie, 1271-1368, Provinz Shanxi) und des 270 ha großen Komplexes des Himmeltempels (Ming- und Qing-Dynastie, seit 1420, Peking) sowie ein Modell von einem der 492 buddhistischen Höhlentempel im Gebiet von Dunhuang präsentiert. Alle diese Anlagen stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.
Die einzigartige Sammlung ist im Besitz der Chinese Academy of Cultural Heritage in Peking und wird im Architekturmuseum der TU München zum ersten Mal außerhalb Chinas gezeigt. Zusammen mit Fotografien, Bauaufnahmen und entsprechenden Erläuterungen vermitteln die Modelle einen faszinierenden Einblick in Schönheit und Technik der Holzkonstruktion sowie in die Tradition chinesischer Architektur.





