Im Herbst 1434 standen die Medici mit ihrer Interessengruppe an der Spitze von Florenz, doch am Ziel waren sie noch längst nicht. Sollte ihre Vorherrschaft mehr als eine Episode bleiben, mussten sie aus den Fehlern ihrer Gegner lernen und das politisch-soziale Gefüge von Florenz einschneidend verändern. Die Verbannung von etwa 100 politischen Feinden aus 58 der 325 führenden Familien, die tiefgreifende Säuberung der Wählbarkeitslisten, die Gesetzgebung durch eine ihnen genehme Volksversammlung, die balia, bei gleichzeitiger Außerkraftsetzung der regulären Räte und Behörden – das waren Notstandsmaßnahmen von zweifelhafter Legitimität und daher auf Dauer nicht praktikabel. Gesichert war die Vorrangstellung der Familie und ihrer Klientel erst, wenn dafür konstitutionelle, institutionelle und nicht zuletzt auch ideologische Voraussetzungen geschaffen wurden. Mit anderen Worten: Wenn man die jetzt gewonnene Macht nicht mehr abgeben wollte, musste man das politische System von Florenz langfristig umgestalten, bis die Republik am Ende von einem Fürstentum nicht mehr zu unterscheiden war. Alles spricht dafür, dass schon Cosimo der Ältere, Meisterstratege der Machtausübung und Meisterregisseur der Machtverschleierung in Personalunion, dieses kühne Unterfangen, dessen Ausgang er aller Voraussicht nach nicht mehr erleben würde, in Angriff nahm.
Aus einem kommunalen Freistaat eine dynastisch verstetigte Einzelherrschaft zu machen war im Prinzip nicht schwer; zahlreiche italienische Städte wie Ferrara, Mantua oder Rimini hatten diesen Übergang mehr oder weniger gleitend bewältigt. Doch Florenz war anders. Hier standen einem solchen Umbau die in breiten Kreisen tief verinnerlichten Werte der Kommune und der daraus entspringende Wille zur politischen Teilhabe entgegen. Hier musste man langsam, behutsam, unauffällig und vor allem flexibel vorgehen und parallel zur schleichenden Aushöhlung der Republik die Mentalitäten der politischen Klasse verändern. Konkret hieß das: Jeder Schritt, der die Medici einer fürstlichen Stellung näher brachte, musste von republikanischen Manifesten begleitet werden, welche die tatsächliche Tragweite der Umgestaltung verbargen. Niemals zuvor war die Kunst des schönen Scheins so nachdrücklich gefordert gewesen wie jetzt. Das politische Leben von Florenz, ja, das Auftreten der Familie Medici selbst gewann damit eine Doppeldeutigkeit und Doppelbödigkeit, die alles Private öffentlich machte und jeder scheinbar rein persönlichen Geste wie einem Gespräch oder Geschenk eine tiefere Bedeutung verlieh. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 03/2013.
Prof. Dr. Volker Reinhardt





