Als vor bald 800 Jahren Franziskus krank und entkräftet am Abend des 3. Oktober 1226 in Portiuncula unterhalb seiner Geburtsstadt Assisi auf seinem am Boden ausgebreiteten Büßergewand stirbt, geschieht dies im Kreis seiner Brüder, die ihm auf seinen Wunsch hin aus dem Johannes-Evangelium vorlesen. So beschreibt die Szene Bruder Thomas von Celano, der in verschiedenen Varianten die erste Lebensbeschreibung des Franziskus wenige Jahre nach dessen Tod verfasste.
Interessant an Celanos Bericht ist, dass hier von der Ordensregel, die Papst Honorius III. den Brüdern im November 1223 bestätigt hatte, keine Rede ist. Für den Poverello war das Evangelium zu leben die ultimative Maßgabe christlicher Existenz. Im irdischen Leben konsequent Wort und Tat in eins zu bringen, um das ewige, himmlische Leben zu erlangen, war für Franziskus Lebensform und Botschaft zugleich.





