Einer der Überlebenden dieses Dramas ist Heinz Schön, damals Zahlmeister-Assistent an Bord des Schiffs, hat die Tragödie seither ebenfalls nicht mehr losgelassen. In mehreren Veröffentlichungen hat er sich mit der Geschichte und dem Untergang der „Wilhelm Gustloff“ befasst; nun ist im Stuttgarter Motorbuch Verlag ein höchst anschaulicher Bildband erschienen, der Geschichte und Nachgeschichte gleichermaßen packend erzählt, aus der Sicht des Überlebenden, aber gleichwohl ausgewogen und ohne jede schachbrettartige Schuldzuweisungen. Im Gegenteil: Heinz Schön schildert auch seine Kontaktaufnahme mit den sowjetischen Beteiligten der Katastrophe, darunter jenem Soldaten, der die Torpedos auf die „Gustloff“ abgefeuert hat. Das Schlusskapitel widmet sich, illustriert durch zahlreiche Szenenfotos, dem neuen Vilsmayer-Film. In seinem Nachwort befasst sich der Autor mit der Frage, ob die Katastrophe vermeidbar gewesen wäre. Er kommt zu dem klaren Schluss: Ja – wäre das Schiff nur einen Tag später mit größerem Geleitschutz ausgelaufen. So aber hatte die „Gustloff“ nur das Torpedoboot „Löwe“ zur Seite. Doch erst, nachdem sie ausgelaufen waren, erfuhren die Verantwortlichen vom Ausfall weiterer Geleitschiffe. Korvettenkapitän Wilhelm Zahn kommentierte diese bedrohliche Situation mit dem treffenden Satz: „Ein Hund führt einen Riesen durch die Nacht“.
Rezension: Oster, Uwe A.





