Der Sammelband präsentiert in vorzüglichen Einzelbeiträgen international anerkannter Sachkenner wichtige Etappen der europäischen Königsge?schichte, von der ausgehenden Antike bis ins frühe 19. Jahrhundert. Unverkennbar ist, daß der Herausgeber Bernhard Jussen Mittelalter-Historiker ist. Antike und Neuzeit flankieren mit bescheidenem Gewicht den mediävistischen Kern des Buchs. Die Artikel gehen von zentralen Quellen aus und präsentieren ein herausragendes Beispiel oder einen wichtigen Strukturwandel.
Mit den geschärften Methoden einer kritischen, an neueren Ansätzen der Textanalyse orientierten Geschichtswissenschaft gelingen Synthesen des Wissens und Nichtwissens. Das Bündnis zwischen Papst und Frankenkönig von 754, die Kaiserkrönung Karls des Großen, die Durchsetzung der Ottonen im 10. Jahrhundert, Königsabsetzungen des Spätmittelalters, der gefangene Maximilian I. in Flandern, die politischen Grenzen des Sonnenkönigs – diese und weitere Meilensteine monarchischer Herrschaft werden mit hoher wissenschaftlicher Kompetenz vorgestellt. Dazu kommen Beiträge zu Wahrnehmungsschranken in Kulturkontakten oder zur Heiligung des Reichs in der Stauferzeit. Manchmal braucht der Leser historisches Vorwissen, denn einige Beiträge deuten eher, als daß sie erzählen.
Fast immer werden die Könige entmachtet. Einzigartigkeit der Person und ihrer Herrschaft verschwinden in den Texten. Die moderne Mediävistik löst sich vom monarchischen Glanz, läßt sich nicht mehr blenden vom Zauber aus Salböl, Gold und Ritual. Dabei büßt sie das Staunen vor dem Außerordentlichen ein, stellt aber die Könige beharrlich in die Gesellschaft und die Überlieferung. Auf der Leiter von den Menschen zu Gott kletterten die Herrscher auf eine obere Sprosse. Doch die Tuchfühlung zu ihren Getreuen, die sie erhoben, trugen oder abschüttelten, verloren sie nie.
Rezension: Schneidmüller, Bernd





