Die Entwicklungsphasen werden chronologisch beleuchtet. Dabei zeigt sich, dass wir es anfangs mit einzelnen regionalen, in sich abgeteilten Meerräumen zu tun haben, die im Verlauf der Geschichte immer stärker miteinander verbunden wurden. Korrigiert werden Bilder, nach denen diese Integration unter anderem der Ausbreitung des Islam geschuldet ist. Stattdessen wird ersichtlich, dass es die vorhandenen Handelsstrukturen waren, entlang derer sich der Islam ausbreitete. Treibende Kräfte sind in der voreuropäischen Zeit vor allem in China und Indien zu suchen, von wo eine zeitweilig imperiale Politik einen wachsenden kulturellen Austausch auslöste und entscheidend zur Verknüpfung der Handelswege beitrug. Unübersehbar orientiert sich Ptak an dem bekannten Modell, das Fernand Braudel für das Mittelmeer entworfen hat. Die bisherigen Versuche, den Indischen Ozean als eine Art großes Mittelmeer zu begreifen, reichten aber über eine reine Darstellung selten hinaus. Nach wie vor fehlt es an einer theoretischen Grundlage. Dessen ist sich auch Ptak bewusst, er will aber dennoch keine Theorie zum afro-asiatischen Meeresraum vorlegen. Gleichwohl ist die Umkehrung der Perspektive und die Akzentverschiebung ein wesentlicher Beitrag, der bei einer Modellbildung entsprechend berücksichtigt werden muss.
Als eine Einführung in das Thema Indischer Ozean mit seinen Handelsrouten, die als eine seegestützte Variante der klassischen Seidenstraße zu sehen sind, ist das Buch eine höchst erfreuliche Ergänzung zu den bisher vorgelegten Untersuchungen und als Lektüre im akademischen wie außerakademischen Bereich eine große Bereicherung.
Rezension: Mann, Michael





