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Die Mutter aller Katastrophen
Heute sind wir es gewohnt, dass bei Naturkatastrophen TV-Liveberichte im Minutentakt die Lage vor Ort beschreiben. Beim Ausbruch des Vesuvs am 24. Oktober des Jahres 79 war das alles noch anders. Doch der Althistoriker Michael Sommer wagt das Experiment: Er lässt den fiktiven römischen Reporter Publius Petronius…
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Willkommen zu dieser Sondersendung von „Palatin direkt“, dem heißen Draht zum Kaiserpalast. Aus der Hauptstadt berichtet Publius Petronius Priscus für „Nuntiae Urbis Romae“ („Nachrichten aus der Stadt Rom“). Es ist die fünfte Stunde, und die ersten Gäste versammeln sich vor dem Palast auf dem Palatin. Heute ist ein großer Tag. Unser Herr, Imperator Titus Caesar Vespasianus Augustus, Sohn des vergöttlichten Vespasianus, wird sein neues Sozialgesetz verkünden.
Erwartet werden Erleichterungen für kinderreiche Familien und die Aufstockung der Getreiderationen für Bedürftige. Umrahmt wird die Rede des Kaisers von einem großen Galadiner. Auf dem Palatin ist versammelt, was Rang und Namen hat. Dort sehe ich den Konsul Flaccus, da hinten Gallus Fabricius, den Senator, den Vespasian vor ein paar Jahren aus der Verbannung zurückgeholt hat. Er soll im nächsten Jahr Konsul werden, munkelt man. Und da ist auch Cornelius Tacitus, der vorletztes Jahr die Tochter des Generals Agricola geheiratet hat. Endlich eilt auch der Caesar Domitian, der Bruder des Kaisers, die Freitreppe empor, wie immer im spiegelblanken Militärornat – und wie immer eine halbe Stunde zu spät.
Doch was ist das? Ein Reiter stürmt vor das Portal. Sein Mantel ist voller Staub, das Pferd schwankt erschöpft. Er redet auf die Wache ein. Ich höre nicht, was er sagt, aber auf den Gesichtern der Soldaten spiegelt sich blankes Entsetzen. Was ist geschehen? Droht ein neuer Aufstand in Judaea? Brennt Britannien? Haben die Germanen die Rheingrenze überrannt?
Noch dringt nichts durch. Der Bote wird zusammen mit dem Kaiser in den Palast geführt, die Gäste bittet man, draußen zu warten. Ich melde mich, sobald ich Näheres weiß.
+++ EILMELDUNG: Vesuv bei Neapel ausgebrochen +++
Hier ist wieder Publius Petronius Priscus von „Nuntiae Urbis Romae“. Es ist jetzt die sechste Stunde, und ich kann euch sagen, dass dieser achte Tag vor den Kalenden des November [25. Oktober] uns allen im Gedächtnis haften bleiben wird. Vor einer Stunde ist der reitende Bote aus Misenum eingetroffen. Die Rede des Kaisers und die Festivitäten wurden abgesagt, die Gäste haben sich zerstreut. Einige Neugierige sind geblieben.
Vor wenigen Augenblicken ist ein Sprecher des Palastes vor das Portal getreten und hat erklärt, dass der Golf von Neapel Schauplatz einer unfassbaren Katastrophe geworden ist. Der Vesuvius, den sämtliche Fachleute für erloschen gehalten hatten, ist in einer gewaltigen Eruption ausgebrochen und speit Rauch, Bimsstein, Feuer. Die Nachricht war 20 Stunden unterwegs, und niemand kann sagen, wie es derzeit in Pompeji, Stabiae, Herculaneum und den anderen Städten am Golf aussieht.
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Jetzt überschlagen sich die Ereignisse. Während der Palastsprecher gerade eine Erklärung unseres Herrn, des Kaisers Titus, ankündigt, trifft ein weiterer Bote ein, genauso abgehetzt wie der erste. Auch er verschwindet hinter den Palastmauern. Fassen wir uns also einen Moment in Geduld und rekapitulieren: Eine ungeahnte Naturkatastrophe hat den Golf von Neapel getroffen und damit die Gegend, in der viele Prominente ihre Prachtvillen haben. Wer das nötige Kleingeld hat und der Hitze Roms entfliehen möchte, zieht sich regelmäßig an den Golf in die Sommerfrische zurück.
Der vergöttlichte Claudius hatte dort sein Domizil und der Redner Cicero. Von Neros Gattin Poppaea Sabina ganz zu schweigen. Ihre Villa bei Stabiae soll ein einziger Tempel des Luxus sein. Zürnt der Gott Vulcanus deshalb den Sesterzen-Millionären? Haben wir alle die Wut der Götter auf uns gezogen? Was wird der Kaiser sagen?
Drei Fanfarenstöße! Da erscheint auch schon der Imperator Titus, unser Herr, auf dem Podium vor dem Palast. Er trägt eine dunkle Toga, Zeichen der Trauer. Hier seine Erklärung im Wortlaut: „Bürger Roms! Kampanien ist gestern von einer Katastrophe heimgesucht worden, deren Ausmaß erst allmählich offenbar wird. Der Vesuv ist ausgebrochen und begräbt unsere Städte in Kampanien unter Asche, Steinen, Lava und Schlamm. Giftige Dämpfe und große Hitze quellen aus dem Berg hervor. Tausende sind auf der Flucht, für Unzählige kommt jede Rettung zu spät. Bürger Roms! Verzagt nicht! Die Regierung hat die Lage im Griff. Sie wird alles tun, um denen zu helfen, die Haus, Hab und Gut verloren haben. Der Konsul Nepos trägt die Verantwortung für die Katastrophenhilfe in Kampanien. Ich selbst werde mich schnellstmöglich an den Golf von Neapel begeben, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen. Bürger Roms! Es herrscht Staatstrauer. Für sämtliche Staatsgötter sind Sühneopfer abzuhalten.“ – So weit die Erklärung des Imperator Titus, unseres Herrn. Ich melde mich in Kürze wieder, sicher dann mit neuen Nachrichten aus Kampanien.
Inzwischen dämmert der Abend des siebten Tages vor den Kalenden des November [26. Oktober]. Es ist der dritte Tag nach der Katastrophe. Reitende Boten haben sich im Palast gegenseitig die Türklinke in die Hand gedrückt, aber es sind nur wenig Nachrichten nach draußen gedrungen. Ich selbst habe kaum ein Auge zugetan, habe mich in der Hoffnung auf eine neue Verlautbarung der Regierung wachgehalten, so gut es eben ging. Soeben hat der Sprecher des Palasts verkündet, Pompeji, Herculaneum und Stabiae sowie die kaiserliche Villa von Oplontis seien vollständig verschüttet. In jeder der drei Städte sollen Tausende von Opfern zu beklagen sein. Die Rettungsmaßnahmen der Regierung seien angelaufen, Spezialisten befänden sich vor Ort.
+++ EILMELDUNG: Augenzeugen berichten +++
Am Morgen des sechsten Tages vor den Kalenden des November [27. Oktober], Tag vier nach der Katastrophe. Für euch berichtet noch immer exklusiv Publius Petronius Priscus von „Nuntiae Urbis Romae“. In der Hauptstadt herrscht nicht die gewohnte hektische Betriebsamkeit. Auf den Märkten wird heute nicht gefeilscht, in den Basiliken kein Recht gesprochen, auf dem Forum leiser als sonst diskutiert – es herrscht Staatstrauer. Auf dem Kapitol wird ein großes Sühneopfer für Jupiter Optimus Maximus vorbereitet. Und der Senat ist zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Es heißt, die Senatoren hätten alle dunkle Trauerkleidung angelegt.
Bei mir im Studio sitzen jetzt drei Augenzeugen, die dabei waren, als am Golf von Neapel der Vesuv ausgebrochen ist.
Publius Petronius Priscus: Gaius Valerius Libella, du bist Tribun in der Flotte von Misenum …
Gaius Valerius Libella: … ich bin Nauarchus [Oberbefehlshaber], so viel Zeit muss sein …
Priscus: … und nach Rom gekommen, um dem Kaiser Titus selbst zu berichten, was du am Golf von Neapel gesehen hast.
Libella: Mein Geschwader hat an beiden Tagen der Katastrophe an den Evakuierungsmaßnahmen teilgenommen. Am Abend des zweiten Tages sind wir wieder in Misenum eingelaufen, weil es keine Überlebenden mehr gab, die wir hätten evakuieren können. Als ich in mein Arbeitszimmer gekommen bin, lag auf dem Schreibtisch schon ein Befehl des Kaisers: Ich solle sofort nach Rom zu kommen, um persönlich Bericht zu erstatten. Mit der Reichspost bin ich dann, ohne Zeit zu verlieren, in die Hauptstadt geeilt.
Priscus: Gab es Warnzeichen, dass ein Ausbruch bevorstand?
Libella: Unser Flottenhauptquartier befindet sich in Misenum, etwa 20 Meilen [29 Kilometer] vom Vesuv entfernt. Vom Kap aus bietet sich bei klarem Wetter ein guter Blick auf den Berg. Ich bin am neunten Tag vor den Kalenden des November [24. Oktober] wie gewöhnlich vor Sonnenaufgang aufgestanden und habe meinem Sekretär die Tagesbefehle für die Kapitäne diktiert. Auch den Vormittag über schien alles normal. Ich war im Hafen, um die Schiffe zu inspizieren. Zur siebten Stunde [gegen 12 Uhr] war auf der anderen Seite des Golfes eine Wolke zu sehen. Sie war sehr groß und hatte die Form einer Pinie. Über welchem Berg sie lag, war nicht zu erkennen. Langsam sackte die Wolke in sich zusammen.
Priscus: Was geschah dann?
Libella: Der Flottenpräfekt, Gaius Plinius [der Ältere], gab Befehl zum Auslaufen. Er selbst bezog Quartier auf meinem Vierruderer und wies mich an, direkt auf die Wolke zuzuhalten. Plinius ist außergewöhnlich dick und normalerweise sehr träge, aber er ist auch Naturforscher, und die Wolke hatte sein Interesse geweckt. Er wollte dem Phänomen unbedingt auf den Grund gehen und legte eine enorme Betriebsamkeit an den Tag. Bald lagen überall Wachstäfelchen herum, auf denen er seine Beobachtungen notierte. Außerdem hatte er Nachricht von Freunden erhalten, die am Fuß des Vesuvs wohnen und sich fürchteten.
Priscus: War Plinius entschlossen, den Opfern zu helfen?
Libella: Zunächst wussten wir gar nicht, dass es welche gab. Auch wie gefährlich die Wolke war, haben wir ja nicht geahnt. Doch je näher wir der Wolke kamen, desto unheimlicher wurde sie. Erst regnete es Asche auf unser Schiff, dann auch kleine Bimssteine. Außerdem wurde es immer heißer.
Priscus: Warum ließ der Präfekt nicht kehrtmachen?
Libella: Das war es, was mein Steuermann wollte. Auch ich hätte dazu geraten, wenn ich dann nicht wie ein erbärmlicher Feigling dagestanden wäre. Plinius aber lachte nur und sagte: „Das Glück ist mit den Tapferen.“ Er ließ anlegen, was nicht einfach war, weil der Gesteinsregen aus dem Bauch des Berges den Küstenverlauf verändert hatte. Bei Stabiae traf er seinen Freund Pomponianus in dessen Landhaus. Die Freunde setzten sich in den Garten und machten Witze, während rings um sie die Welt unterzugehen schien.
Priscus: Eine unwirkliche Szene!
Libella: In der Tat. Es war stockfinster, und das am helllichten Tag. Die Erde bebte in einem fort. In der Ferne sah man überall Flammen lodern. Plinius meinte leichthin, das seien bloß Gehöfte, die in Brand geraten seien. Die Besitzer hätten wohl bei ihrer Flucht vergessen, die Herdfeuer zu löschen. Aber das Feuer kam geradewegs aus dem Berg. Trotz der drückenden Hitze zog Plinius es vor, ein Bad zu nehmen, und ließ sich dann auch noch etwas zu essen bringen. Danach legte er sich zur Ruhe. Wir mussten ihn wecken, weil inzwischen so viel Asche und Bimsstein vom Himmel gefallen war, dass er im Haus verschüttet zu werden drohte. Durch die Dunkelheit haben wir uns dann zur Küste vorgekämpft. Plinius bekam kaum noch Luft, und das Gehen fiel im schwer. Am Ufer haben die Matrosen ihn auf ein Laken gelegt und ihm zu trinken gegeben. Gestützt auf zwei Sklaven, wollte er an Bord gehen, brach aber sofort wieder zusammen – er starb.
Priscus: Und der Rest der Besatzung?
Libella: Wir anderen haben es mit knapper Not an Bord geschafft, haben auch Pomponianus und seine Frau mitgenommen und noch ein paar andere, die sich ans Ufer gerettet hatten. Auch am nächsten Tag hat die Flotte versucht, Überlebende aus dem Katastrophengebiet zu retten, aber wir fanden nur noch Leichen. Plinius hat man, wie ich jetzt erfahren habe, zwei Tage später gefunden. Er sah aus, als ob er schlafe.
Priscus: Quintus Fufius, du bist Soldat bei den Prätorianern …
Quintus Fufius: … beim Jupiter, das bin ich. Ich war auf Urlaub in Misenum. Die Mädchen da … Aber lassen wir das. Ich hatte am Abend vor dem Ausbruch ein paar Gläschen zu viel getrunken. Am Vormittag habe ich dann, wie das so ist, meinen Rausch ausgeschlafen. Als ich aufwachte, sah ich diese Wolke …
Priscus: Die Pinie!
Fufius: Genau die! Plötzlich fing die Erde an zu beben. Erdbeben sind in der Gegend nichts Ungewöhnliches, deshalb habe ich mir zuerst gar nicht viel dabei gedacht. Die Erdstöße haben aber die ganze Nacht angehalten, und am nächsten Tag wurde es nicht mehr richtig hell. Der ganze Golf war eingehüllt in diese schwarze Wolke, durch die hin und wieder der Feuerschein vom Vesuv zu sehen war. Gruselig! Weil die Erde nicht aufhörte zu beben, sind wir weg aus der Stadt. Wir haben dann auf einer Anhöhe Schutz gesucht. Am Abend war der Spuk vorbei. Außer Asche und ein paar Bimssteinen ist in Misenum nichts niedergegangen. Die Stadt ist noch mal davongekommen, und wir auch. Ich bin dann in der Nacht nach Rom geritten. Die Kameraden sollten wissen, was ich da gesehen habe. Einige haben Familie in der Gegend.
+++ EILMELDUNG: Tausende unter der Asche begraben +++
Priscus: Weißt du etwas über die Zahl der Opfer?
Fufius: Da sind Tausende elend gestorben. In Herculaneum hatten die Menschen keine Chance. Die Stadt war in kürzester Zeit unter einer Lawine von Schlamm begraben. In Pompeji blieb theoretisch noch Zeit, um zu fliehen. Doch viele sind wohl in der Stadt geblieben, da sie die Gefahr durch den Vulkan unterschätzt hatten. Die jüdische Prinzessin Drusilla und ihr kleiner Sohn sollen in dem Inferno zu Tode gekommen sein. Auch einen bekannten Dichter hat es erwischt, Caesius Bassus.
Priscus: Marcus Gavius Eudoxius, du hast es geschafft, lebend aus Pompeji zu entkommen. Wie war das möglich?
Marcus Gavius Eudoxius: Ja, beim Zeus, ich habe unverschämtes Glück gehabt. Ich habe – hatte – in Pompeji eine gutgehende Weinhandlung. Ich stamme aus Griechenland und importiere gute Tropfen aus meiner Heimat.
Priscus: Wo warst du, als der Ausbruch begann?
Eudoxius: Ich habe eine Schiffsladung mit kretischem Rotwein erwartet und war gerade im Begriff, zum Hafen runterzugehen, als plötzlich die Erde bebte und diese Riesenwolke über dem Vesuv stand. Ich musste an Hephaistos denken, wie er da im Ätna sitzt und den Göttern ihre Rüstungen schmiedet. Der hat eine Mordswut, dachte ich, dass es bis hier qualmt. Außerdem habe ich mich an das Erdbeben hier vor 17 Jahren erinnert. So etwas möchte niemand zweimal erleben. Da habe ich dann also die Beine in die Hand genommen und bin erst mal wieder rein nach Pompeji. Ich habe alles Geld aus der Kasse genommen und meinen Sklaven gesagt, sie sollten zusehen, dass sie wegkommen. Es wurde unerträglich heiß, und vom Himmel fielen Steine und Asche. Dieser „Regen“ dauerte wohl Stunden. Wir sind dann zum Tor von Nuceria aus der Stadt raus. Das Prasseln der Asche ließ allmählich nach, als wir uns auf der Landstraße von Pompeji entfernten.
Priscus: Weißt du, was mit denen passiert ist, die in der Stadt geblieben sind?
Eudoxius: Ich zählte wohl zu den Letzten, die da noch lebend rausgekommen sind. Die Straßen waren voll von Menschen, die ihr Heil in der Flucht suchten. Aber viele sind auch in Pompeji geblieben: Alte, Kranke, Kinder. Andere wollten wohl ihren Besitz nicht zurücklassen. Sie haben Schutz in ihren Häusern gesucht, aber etliche Dächer gaben unter der Last aus Asche und Bims nach. Das Zeug fiel schließlich tonnenweise vom Himmel. Etliche sind in ihren Häusern eingeschlossen worden. Da sind sie dann vermutlich qualvoll erstickt. Als wir raus sind, war die Luft kaum noch zu atmen.
Libella: Das kann ich bestätigen. Viele sind erstickt. Oder vergiftet worden von den Dämpfen, die aus dem Berg kamen. Etliche hat wohl auch die Hitze umgebracht. Wir haben viele Opfer am Ufer gefunden. Der Tod hat sie überrascht.
Prsicus: Wie konnte es zu dieser Katastrophe kommen?
Eudoxius: Hephaistos zürnt uns, warum auch immer. Vielleicht wegen der ganzen Schwelgerei und dem Luxus am Golf.
Fufius: Die Ursache? Das wissen nur die Götter.
Libella: Unsinn. Die Antwort liegt tief im Innern der Erde. Wir kennen sie nicht. Noch nicht. Aber irgendwann wird die Wissenschaft das Geheimnis lüften. „Felix qui potuit rerum cognoscere causas“ [„Glücklich, wem es gelang, den Grund der Dinge zu erkennen“].
Priscus: Was werdet ihr jetzt tun?
Fufius: Ich habe nun einen Monat Dienst am Stück. Mit meinen Kameraden werde ich wohl das ein oder andere Glas kippen und erzählen, wie das war, am Golf von Neapel. Im Übrigen bin ich Optimist: Das Imperium hat schon ganz andere Katastrophen überstanden. Der Imperator Titus, unser Herr, der kennt sich aus, er weiß, was zu tun ist.
Eudoxius: Mein Herr, der mich vor Jahren freigelassen hat, will mir Kapital zuschießen. Damit baue ich mir eine neue Weinhandlung auf. Gleich hier in Rom. Am Tiber gibt es keine Vulkane, aber zahlungskräftige Kunden, die gibt es hier auch.
Libella: Ich muss zurück zur Flotte und mich um mein Geschwader kümmern. Mit meinen Männern werde ich erst einmal Notunterkünfte für die Obdachlosen bauen. Die können jetzt jede Hilfe brauchen. Wir werden wohl auch in Stabiae graben. Dort ist die Bimssteinschicht nicht so dick. Vielleicht findet sich noch etwas Brauchbares in den Trümmern. Das geben wir dann den Obdachlosen. In Pompeji wird es wohl noch etwas länger dauern, bis dort Ausgrabungen stattfinden. Sei’s drum. Viel wird von der Stadt ohnehin nicht übrig sein.
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