Bisherige Ausstellungen beschäftigten sich eher mit da Vinci als Erfinder, Wissenschaftler oder zeichnenden Konstrukteur. Dagegen widmet die National Gallery ihre Schau seinem Wirken als Maler und vor allem seinem malerischen Schaffen während seiner Zeit als Hofmaler des Mailänder Herzogs Ludovico Sforza in den 1480er und 1490er Jahren. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere, welche künstlerischen Absichten er verfolgte und welche Maltechniken er anwandte.
Am Mailänder Hof genoss da Vinci die Förderung durch den Herzog und besondere Freiheiten. Diesen Freiraum nutzte er dazu, sich intensiv mit naturwissenschaftlichen Studien zu beschäftigen. So setzte er sich eingehend mit dem menschlichen Körper, dessen Proportionen und Anatomie sowie dem Ausdruck von Gesicht und Körper auseinander. Auch Tiere und Pflanze studierte er ausführlich. Auf Grundlage dieser Beobachtungen schuf da Vinci außergewöhnliche Bildnisse, in denen das reale und das ideelle, das weltliche und das spirituelle miteinander verschmolzen.
Die Sonderausstellung in der National Gallery hebt besonders da Vincis Perfektionsstreben hervor und dessen Anspruch, seine Motive realistisch abzubilden und dabei zugleich ein Schönheitsideal zu entwerfen. Letzteres gelang ihm besonders eindrucksvoll in seinen Porträts und in seinen religiösen Darstellungen, denen er eine Ehrfurcht gebietende Rätselhaftigkeit verlieh.
Neben zahlreichen Originalen da Vincis zeigt die National Gallery auch eine lebensgroße Kopie des „Letzten Abendmahls“, dem nach der „Mona Lisa“ vermutlich bekanntesten Werk des italienischen Meisters. Diese ist eine Leihgabe der Londoner Royal Academy. Die Besucher bekommen hierbei einen Einblick in die Konzeption und Ausführung eines derart großformatigen Bildes.





