Alkoholismus war in den Vereinigten Staaten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein Problem, das große Teile der Gesellschaft betraf. Insbesondere für Männer der unteren sozialen Schichten wurde der Saloon nicht selten zum eigentlichen Wohnzimmer, in dem sie viel Zeit verbrachten und einen Großteil ihres Einkommens gleich wieder in Alkoholika investierten. In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts begann sich gegen den hohen Alkoholkonsum zunehmend ziviler Widerstand zu regen: Hausfrauen, die im Zechverhalten ihrer Gatten eine ernste Bedrohung für die Familie sahen, blockieren 1873 landesweit die Eingänge zu Saloons und Kneipen.
Die in Ohio entstandene „Anti-Saloon League“ (ASL) steigt zur erfolgreichsten Lobbygruppe der amerikanischen Geschichte auf und erringt sogar genug Einfluss, um Politiker zu stürzen, die sich gegen eine Prohibition aussprechen. Während des Ersten Weltkriegs gelingt es der ASL-Propaganda sogar, den Konsum und das Brauen von Bier im öffentlichen Bewusstsein mit dem Kriegsgegner Deutschland, also mit Landesverrat gleichzusetzen. Von diesem Zeitpunkt an kann sich die Politik dem Thema nicht mehr verschließen. Eine Gesetzesvorlage passiert noch während des für die USA ersten Kriegsjahrs 1917 beide Häuser des Kongresses. In Kraft tritt das Gesetz als 18. Zusatzartikel (amendment) zur Verfassung erst nach Kriegsende: Ab 16. Januar 1920 ist Amerika offiziell „trocken“.
Doch die Einhaltung des Gesetzes erweist sich als äußerst schwierig: Korrupte Beamten und Gangsterbanden sehen die Prohibition als Möglichkeit, im lukrativen Geschäft des Alkoholschmuggels groß abzusahnen. Der bekannteste mit diesem Metier verbundene Name ist mit Sicherheit Al Capone. Der Kriminelle aus Chicago verdient sich mit der Umgehung des Verbots eine goldene Nase, inszeniert sich als öffentlicher Wohltäter und wird in weiten Kreisen als „moderner Robin Hood“ gefeiert. Doch das Geschäftsmodell, das Al Capone und Konsorten betreiben, ist äußerst brutal: So entstehen Bandenkriege um die Vorherrschaft im illegalen Alkoholgewerbe, die in den Straßen ausgetragen werden. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre musste die Regierung das unpopuläre Alkoholverbot schließlich zurücknehmen, auch um dem kriminellen Treiben ein Ende zu bereiten. Im Dezember 1933 wurde die Prohibition nach fast 14 Jahren wieder aufgehoben.
Arte zeigt die deutsche Erstausstrahlung des Fünfteilers der Erfolgsproduzenten Ken Burns und Lynn Novick. Burns, von der heimischen Presse gerne als „König des Marathon-Dokumentarfilms“ bezeichnet, beschert dem US-Sender PBS mit seinen Werken seit Anfang der 80er Jahre regelmäßig Spitzeneinschaltquoten.





