Ein ermordeter Kaiser und sein Nachfolger, ein römischer Rachefeldzug und ein germanischer Hinterhalt – es ist ein spannendes und vor allem fast unbekanntes Jahrzehnt römisch-germanischer Geschichte, das anhand von Originalfunden vom Schlachtfeld sowie hochkarätigen Leihgaben aus zehn Ländern Europas präsentiert wird. Insgesamt rund 760 Exponate erzählen von einem Geschehen, das es eigentlich gar nicht geben konnte. Denn noch vor fünf Jahren war die Wissenschaft davon überzeugt, dass die Römer nach der vernichtenden Niederlage in der Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr. keine militärischen Großaktionen in germanisches Feindesland mehr unternahmen, abgesehen von kleineren Strafexpeditionen im Vorfeld des Limes. Die Entdeckung eines germanisch-römischen Schlachtfeldes im Jahr 2008 mitten in Niedersachsen, weit vom römischen Limes entfernt, gilt deshalb als archäologischer “Jahrhundertfund” – nicht nur wegen des erstaunlichen Erhaltungszustandes der Objekte sowie der enormen Anzahl, sondern vor allem wegen der Datierung ins 3. Jahrhundert n. Chr., mehr als 200 Jahre nach der Varusschlacht. Die wissenschaftliche Sensation war komplett, als das Schlachtfeld mit einem in antiken Schriftquellen überlieferten historischen Geschehen verbunden werden konnte: einem Rachefeldzug des ersten Soldatenkaisers Maximinus Thrax in den Jahren 235/236 n. Chr.
Eingebettet in den Kontext von 300 Jahren römisch-germanischer Beziehungen wird die Geschichte dieses Feldzuges nun zum ersten Mal in einer Ausstellung rekonstruiert, gegliedert in acht Themeneinheiten. Ausgehend von der Entdeckung des Schlachtfeldes (Kapitel 1), wirft die Ausstellung zunächst einen Blick auf die wechselvolle Geschichte der römisch-germanischen Beziehungen vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. (Kapitel 2). Die Vorgeschichte des Rachefeldzuges – zunehmende Übergriffe der Germanen an der Rheingrenze in den 30er Jahren des 3. Jahrhunderts – wird näher betrachtet (Kapitel 3), bevor eine Schlacht selbst dargestellt wird (Kapitel 4), in äußerst ungewöhnlicher Form: hier stehen sich einzelne Kriegertypen der beiden Armeen in lebensgroßen Darstellungen gegenüber, versehen mit Teilen ihrer Original-Ausrüstung, wie (vielleicht) auf dem Gefechtsfeld vor 1800 Jahren. Der noch jungen Forschungsdisziplin der Schlachtfeldarchäologie, die erprobte archäologische Methoden mit modernster Technik kombiniert, verdankt die Landesausstellung ein ganz besonderes Highlight: die Rekonstruktion des Schlachtgeschehens via Projektion auf ein 3D-Geländemodell des Harzhorns (Kapitel 5), entstanden in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. In diesem Teil der Ausstellung wird der Besucher zum Forscher und erlebt hautnah archäologisches Arbeiten am Beispiel des Schlachtfeldes vom Harzhorn.
Im Anschluss erfährt der Besucher an der Geschichte des Maximinus Thrax, wie nahe Triumph und Verdammnis beieinander liegen können (Kapitel 6) – der erste Soldatenkaiser konnte seinen Triumph über seinen Vorgänger Severus Alexander nicht lange genießen, nur drei Jahre nach seinem Herrschaftsantritt ereilte ihn das gleiche Schicksal wie den letzten Kaiser der severischen Dynastie. Die Ausstellung schließt mit einer Darstellung der unterschiedlichen Begräbnisriten von Römern und Germanen (Kapitel 7), möglicherweise waren einige der Verstorbenen selbst am Harzhornkampf beteiligt. Abschließend gibt es einen Ausblick auf das historische Geschehen bis zum Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. einer Zeit der Krisen für das Römische Reich.





